lernen

Olena Selenska, die Frau von Wolodymyr Zelensky (habe mich für diese Schreibart entschieden) bestätigt in einem Interview, dass in den ukrainischen Bunkern bereits Tausende von Kindern geboren wurden. Als günstiges Karma würde man das in Indien sicherlich nicht begreifen, aber es bedeutet auch nicht, dass das Leben dieser Kinder dadurch einen schwarzen Stern trägt. Es kommt vor allem darauf an, wie lange der Krieg dauert. Der steht, meinte sie, auch vor unseren Haustüren, hinter denen die deutschen Kinder wohnen, und wir dürften uns nicht an die Verbrechen gewöhnen. Also, dass wir den Krieg vergessen können, ist kaum vorstellbar, denn ist er nicht der eigentliche Gongschlag für die sogenannte Zeitenwende? Nicht nur im düstersten Sinne, denn vieles wird dadurch geschehen oder geschieht bereits, was zuvor undenkbar war, z.B. dass durch die so teuer gewordenen Lebensmittel (wie Fleisch, Wurst und Butter), es vielleicht zuerst zu Hamsterkäufen kommt, dann Einschränkung angesagt ist, oder besser ausgedrückt: Gewohnheitswandlung. Und das unmenschliche Treiben in der Ukraine hat eine erstaunliche Verbindung in der Weltgemeinschaft erzeugt. Irgendwie hat Präsident Zelensky, oder war es der Mensch Zelensky (oder gar der Spieler hinter dem Namen in seiner Glanzrolle), es geschafft, einen kollektiven Herzschlag zu aktivieren, der einem überhaupt erst ermöglicht, verbunden zu sein. Wobei sich diese Verbundenheit eher in einer Sprachlosigkeit ausdrückt, die, so empfinde ich es jedenfalls, einfach bei allem mitgeht, was außerdem noch unsere Aufmerksamkeit erfordert. Dass man Worte benutzt, heißt ja nicht, dass es einem nicht gleichzeitig die Sprache verschlagen hat. Ein seltsamer Ausdruck: die Sprache verschlagen. Das, was hier zu lernen und zu fühlen ist, kann nicht jederzeit gelernt und gefühlt werden, aber sein muss es trotzdem. Es wühlt auf und rumort auf allen Ebenen herum. Und es zeigt Wirkung. Eine davon ist, dass ich bei mir in den Räumen herumschaue und die leicht verstaubten Ordnungen etwas lockern möchte. In einer meiner Bildersammlungen habe ich das Bild (oben) von Paul Klee gefunden, das den Titel „Narr der Tiefe“ trägt. Wegen dieses Titels und wegen der Träne auf der linken Wange des Narren habe ich an Wolodomyr Zelensky gedacht. Seine Frau spricht mit einer menschenwarmen Stimme, und diese spürbare Glaubwürdigkeit ist sicherlich Teil des Geheimnisses, das nun dort unter grauenhaftesten Umständen zu siegen versucht. Was i c h tue? Ich atme tief durch und bereite mich vor auf das Unvorhergesehene. Wie? Indem ich möglichst viel bei mir bleibe und Ruhe finde in der Tiefe der Nichtmittelbarkeit.

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