tot

Das Virus ist ja auch kein schlechter Lehrer, obwohl kein wirklich guter Lehrer eine Angstschneise in die Völkerbahnen hineinfahren würde wie dieser Blindgänger, der gar nicht sehen kann, was er anrichtet. Es ist auch nicht einfach zu verstehen, was er oder es anrichtet, und der mühselige Weg über den Lernzwang, eben, wenn der Lernantrieb nicht freiwillig ist, sondern das Leid über die Menschen hereinbricht wie eine Welle, dann ist dieser Weg oft mit Unwillen und Widerstand begleitet. Oder wie jedes Unglück und jede Katastrophe, wenn erst der Schock einbricht, dann langsam der lange Prozess des Zurechtfindens mit den sich stark veränderten Gegebenheiten in Gang kommt. Ich wusste tatsächlich nicht, wie viele Grippetote es jährlich allein in Deutschland gibt, oder kannte nicht die hohen Todeszahlen der Diabetiker/nnen oder AsthmatikerInnen, oder Suizide, oder HerzinfarktlerInnen undsoweiter. Man staunt ja eher, dass überhaupt hier und da jemand übrigbleibt, der sich nicht stark medikamentiert durch die satten Jahre bewegt hat. In Indien ist durchweg für viele Menschen das Kranksein so gut wie tot sein, und dann das Totsein auch noch extrem teuer für die Hinterbliebenen. Wie viele Tote also jederzeit, wurde oft in der ersten Phase der Coronazeit gefragt. Da bauscht jemand, wurde gemeint, den Virus zu einer Macht auf, wie jeder andere Virus sie auch hat, fragt sich nur wer da warum aufbauscht. Und dass das neue Etwas ein Killer ist, war auch allen klar, ebenso wie die anderen maladiösen Schwergewichte auch Killer sind, wenn man nicht den richtigen Stoff für bzw gegen sie hat. Ich denke gerade: ’schau doch mal nach‘, und sehe, dass letztes Jahr (2019) 879 959 Menschen in Deutschland gestorben sind. Erstaunlich auch, dass es hier diese klare Zahl gibt, denn jede/r Tote wird gezählt, während zB. in Indien ja, jede/r Einzelne im Kreise seiner oder ihrer Familie sicherlich was zählt und gezählt wird, aber die ungezählte Totenanzahl muss erschreckend hoch sein. Was war das am Anfang also für eine Erwägung im Sinne, jetzt macht doch (wer auch immer gemeint ist) doch nicht so einen Zirkus um dieses Virus, wenn er es noch nicht einmal geschafft hat, die Zahl der jährlich Toten (5,4 Millionen weltweit) zumindest einzuholen, damit der Anspruch auf Macht und Wirkung gerechtfertigt sei. Also ich bemerke, es ist genauso schwer, die Realität des eigenen Todes ins Auge zu fassen, nicht nur flüchtig, sondern auch mal mit Tiefgang, denn ja, das wird nicht nur kommen, sondern jederzeit kann es kommen, und in welchem Verhältnis zur Qualität der Lebenszeit steht dieses zu akzeptierende Wissen, bei dem es keine wirklichen Varianten gibt durch die Tatsache, dass tot einfach tot ist, eben eine der wenig unbedingt zu akzeptierenden Realitäten, auf die man sich verlassen kann. So sterben viele, sehr viele Menschen täglich an Corona, und die Angehörigen können nicht zu ihnen kommen. Insofern ist das Virus ein Lehrer, dessen Fach der Tod ist. Und zum Glück, das fällt bei mir gerade so ein, ist der Tod kein Meister mehr aus Deutschland, obwohl der Tod auch da ja gar nicht der Meister war, sondern es waren Menschen, die das Morden des Menschen durch den Menschen zur Meisterschaft erhoben haben, beziehungsweise erniedrigt. Gerne hat man noch Lernzeit.

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