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Tag des Ozeans oder Tag der Orange, oder Tag des Salamanders, ganz wie man möchte. Oder der Tag, an dem alle wieder im Stau stehen, oder vielleicht doch ein paar weniger als sonst, oder Tag der Rückkehr zur Meeresverschmutzung, oder Tag der guten Nachrichten. Ja, es gibt sie, es gibt sie immer, sie begleiten das Weltgeschehen genau so unermüdlich wie die schlechten Nachrichten, und warum sollte es gerade hier nicht auch auf die Wahrnehmung ankommen, beziehungsweise eine angemessene Auslotung zwischen Dunkel und Hell. Man kann sich ja mal überlegen (Hand am Steuer, Kompass im Auge), was die Menschen gemeinsam haben könnten, von denen man munkelt, sie seien ‚durch‘ und befänden sich auf freier und ureigener Bahn, prekäre Begriffe von etwas, von dem keiner Kunde hat, bis er oder sie selbst Kunde ist. Und was weiß man dann schon von jemandem, als dass (vielleicht) wieder einer es geschafft hat, sein Ich über den Abgrund zu transportieren. Oder sollte es gar nicht mitgebracht werden, ja hallo, dann hält man wohl Ausschau nach dem Tor, an dem man es abstellen kann, wenn es sich denn abstellen lässt. So einfach ist es dann auch wieder nicht, dass man es einfach irgendwo abstellen kann, als könnte die kosmische Müllabfuhr gerufen werden. Ein türkischer Fahrer schaut heraus und sagt, aber das bist doch du, die Grenzgängerin aus Deutschland usw. Jeder muss das für sich selbst lösen, ebenso wie die Maskenpflicht und die Virenangst und die Daseinsfreude. Kein Zweifel: alles, was der Geist fassen kann, ist gleichzeitig. Das kann leicht überfordern, wenn man den Begleiter, der man ist, gar nicht wahrgenommen hat, sich um ihre Zartheit gekümmert, um ihren berechtigten Zorn, der hineinhallt in die Plastikmeere und dort zusammen mit den Fischen erstirbt. Ich denke, dass alles, was ins Leben gerufen wurde und wird, ein gleiches Recht hat auf seine oder ihre Existenz. Unantastbar in der Tat auch die Würde der Tiere und überhaupt der organischen Welt, und wie konnte es dazu kommen, dass in ihr um alles derart geschachert wird, als ginge es auf der Erde vor allem um einen gefährlichen Raubzug, so ist es ja auch. Genauso wenig wie man einem Räuber raten kann, nicht zu räubern, so kann man nur dem eigenen Räubern Einhalt gebieten und nicht so tun, als wäre billiges Fleisch eine normale Sache und man hätte nie von schweinischen Zuständen in Massentierhaltungen gehört. Ist man denn wirklich, was man isst?, und dann noch mit Schmerz und Qual und Todesangst und Hormonen, alles frei geliefert im Fleisch.Die guten Nachrichten kommen aus Indien, wo sie bitter nötig sind, denn es schmerzt weiterhin, ein Land, wo sich der Geist lange Zeit so pudelwohl fühlte, zugrunde gehen zu sehen. Wenn eine einst hohe Kultur im Sterben liegt, das geht doch nicht einfach an einem vorüber, vor allem, wenn man als Fremdling das Glück hatte, in ihre Geheimnisse eingeweiht zu werden, aus Liebe für sie, und aus Achtung. Nun haben die Hindus klar gemacht, dass ihnen die Muslime im Weg sind, dann…hier der neue Satz: …dann kam Corona…Corona kam und veranlasste Tausende von Arbeitern, ihre Arbeit  gekündigt zu bekommen, über Nacht, einfach so, weg mit Euch. Dass sie auf leeren Straßen dann zu Fuß versuchten, nach Hause zu gelangen, bis zu 1000 km weit, kein Laden war irgedwo geöffnet. Gestern habe ich eine Mail bekommen von einem Mann, der zufällig vorbeifuhr an solch einem endlosen Zug, und er berichtete, dass jetzt alle Arbeitswanderer genährt und mit Wasser von der Bevölkerung versorgt werden, ob sie nun Muslime, Christen oder Hindus seien. Man will die Not nicht, aber manchmal bleibt sie das letzte Mittel, das Herz zu bewegen, das ist schon viel wert.

 

 


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