performen

 

So, nochmal dasselbe Bild wie gestern, jetzt in Farbe, das andere war wohl ein Kupferstich. Nein, sagte jemand, der Amor bohrt da doch gar nicht den Pfeil hinein, sonder versucht, ihn möglichst schmerzlos herauszuholen. Alles an meinem Blick war flüchtig gewesen. Auch wenn  mich der Name Rubens nicht zum Eintritt in eine Ausstellung oder auf die Kniee zwingt, so spüre ich doch, dass  dieser Samstag, eingekeilt zwischen zwei bedeutsamen Tagen des christlichen Erinnerungsguts, überdacht mit wolkenlosem Himmel, für alle hungrigen Einkaufenden geöffnet, dass eben dieser Tag für mich ganz persönlich geeignet scheint, (m)einen flüchtigen Blick auf den heiligen Vorgang zu korrigieren.  Eigentlich war ich ja von der erotichen Ausstrahlung gemalter Wunden fasziniert. Wunden sind etwas, die einen fassungslos machen, auch wenn man auf eigene starrt. Keiner rechnet damit, dass eine Wunde erscheint. Auch der heilige Sebastian schaut auf die Wunde, als könne er sie nicht als seine erkennen. Da wollten wieder Menschen etwas vernichten, was für sie selbst nicht zugängig war. Schön wär’s, wenn ein kleines Engelchen herbeieilen würde, um die Pfeile sorgfältig zu entfernen, weiß man doch, dass das kaum auszuhalten ist, oder eigentlich überhaupt nicht geht, Was dachte ich denn fälschlicherweise? Dass der Amor dem Gepeinigten vermitteln will, wie schmerzhaft die Liebe sein kann? So war es wohl nicht gemeint, und so hat man, ich meine natürlich habe ich, inmitten des kollektiven Einkaufstaumels, noch etwas Wichtiges dazu gelernt. Kazuo Ohno tanzt auf meiner inneren Leinwand zu einem ihm gewidmeten Lied von Anthony (and the Johnsons), dann treten die Butoh Tänzer auf, gefolgt von einer Großaufnahme, auf der ein dunkelroter Blutstropfen einen Mundwinkel verlässt. Der leuchtende Rand eines schwarzen Loches lässt sich erkennen. Es wurde geraten, die düsteren Assoziationen mit einem schwer erkennbaren, abgrundtiefen Etwas nicht falsch einzuschätzen. Das, was Angst machen kann, birgt nicht unbedingt das Erschreckende, sondern auch das Unbekannte, oder das noch nicht Erkannte. Marina Abramovic  und das bewusst Entgrenzte.  Von der Extremkünstlerin Florentina Holzinger wird in einer Beilage der“ Zeit“ berichtet, dass sie und weitere drei Frauen sich während einer Performance Spielkarten an den nackten Körper tackern. Wenn einen etwas berührt, wird man wachsam. Das Beachten der Form wird zweitrangig, man spürt, wenn die Handlung sich zeigt, die Nähe der Quelle. Es muss schon ein gewisses Etwas geben, damit man die Unruhe eines flüchtigen Blickes in sich wahrnimmt und bereit ist für eine neue und erfrischte Sichtweise. Obwohl die Schöpfungskraft als eine Gnade erfahren wird, ist sie der Gnade nicht unterworfen, denn letztendlich lernen wir nur von ihr, was sie kann, denn wenn sie nicht kann, was sie ist, dann ist sie auch keine Kunst.

rechtes Bild: aus der Performance „Apollon“ von Florentina Holzinger


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