leiden

Unterwegs habe ich gestern in einer Stadt in einem Laden, der vermutlich zur nahen Kirche gehört, dieses Bild gesehen, und da mich wieder einmal die Erotik faszinierte, die ich häufig auf christlichen Leidensbildern gesehen zu haben wähnte, wollte ich von der Frau hinter dem Glas wissen, warum und in welcher Szene der kleine Amor dem schönen Jüngling seinen Pfeil ins Herz bohrt. Die Frau sagte, sichtlich verlegen, dass sie meine Frage nicht beantworten konnte, dass die Fachkräfte des Hauses gerade nicht anwesend seien. Der Angebohrte ist offensichtlich hilflos seinem Schmerz ausgeliefert, denn seine Arme sind gebunden. Was für tiefe Empfindungen auch die Wunden Christi doch immer noch auslösen können, und wie viele Künstler haben sich an der Darstellung dieser Leiden abgerackert. Allein die Filme, die wir alle gesehen haben, voller Helden und voller Qualen. Gestern tauchte in einem Gespräch die Frage auf, wieso sich eigentlich vor allem Jesus als Messias durchsetzen konnte, wo doch in jener Zeit, wie auch heute, mehrere Messias(se) (?) unterwegs waren, um ihr Königreich anzupreisen. In dem indischen Dorf, wo ich manchmal lebe, gibt es auch Anhänger eines Messias, der in Brooklyn lebte oder noch lebt, lang lebe der König Messias, denn vieles höret nimmer auf. Aber Jesus schaffte es offensichtlich, sich durchzusetzen, und, wie wir aus Erfahrung wissen, kann man alles Mögliche sehen, was nicht da ist. Tote stehen auf und sind wieder quicklebendig, Lahme können wieder gehen. In Indien war ich auch einmal mit einer jungen Frau an einem heiligen Ort, wo sich Hunderte von Lahmen trafen, um für ihre Gesundung zu beten. Auch sie, die halbseitig gelähmt war, wurde wieder gesund. Ich ging zu einem befreundeten Arzt und fragte ihn nach seiner Einschätzung des Wunders. Er meinte, es sei der natürliche Verlauf der meisten Lähmungen, dass sie sich nach einer Weile wieder auflösen. Wer kann wissen, wie es zu solchen Anekdoten kommt, wenn sie sich einmal verselbständigen und eine neue Religion in Schwung gerät. Hier wird einem also das Leiden vor Augen gehalten. Nichts geht ohne Leiden, wer  wollte und sollte es abstreiten. Seither ist mächtig viel gelitten worden und kein Ende ist abzusehen. Ja, es sieht so aus, dass, wenn Menschen so ziemlich alles haben, was ein Mensch zum Leben braucht und vieles mehr davon, wie hier im Land z.B., da scheint das Leiden erst richtig loszugehen. Riesig lange Artikel über des Volkes einsames Leiden sind unterwegs, und man freut sich, wenn man jemanden trifft, der oder die mit der Gestaltung ihres Daseins eine gewisse Offenheit der Freude gegenüber erreicht haben, nicht aus dem moralischen Gutheitszugzwang heraus, sondern einfach das Zulassen eines gelungenen Ergebnisses, das man sich täglich bemüht frisch und beweglich zu halten. Und weg mit dir, kleiner Amor. Was pobelst du da an fremdem Fleisch herum mit so herausforderndem Lächeln. Auch die Menschheit reift als Masse vor sich hin, sie hat keine Wahl. Da, wo erwacht wird, beginnt es, das Steuer in die Hand zu nehmen. Keinen Schaden anrichten! Und sich nicht schaden lassen. Und, sagte eine kluge Frau: wer sein Leid nicht tragen kann, macht Andere zu Leidtragenden. (M.W.) So wandelt der Papst wie jährlich mit den Gläubigen die Leidensetappen ab, und der und die Einzelne müssen sich weiterhin die einsamen Fragen stellen. Ich merke, dass ich dem Thema nicht so ganz gewachsen bin. Das mag an dem herrlichen Frühlingstag liegen.

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