scheinen

Das ist meine ganze Bildauslese des gestrigen Festtages und gibt eine schöne Anregung dessen, was noch scheint: die edlen Gesten, die ernsthaft durchgeführten Rituale, das Öl-Lichterflackern. Im Markt habe ich diese Blüte gefunden und mir eingesäuselt, dass es eine Lotusblüte aus der alten Zeit sei, mich aber auch an der Wasserrose erfreut. Das Spiel hört ja nicht auf, nur weil es auf einmal so viel Duplikates gibt, was als Original angeboten wird. Da will man nicht weiterhin so streng trennen nach außen hin, damit es keinen unnötigen Ärger gibt. Nach innen hin muss erst verstanden werden zwischen trennen und nicht trennen, auch trennen können, auch Trennung aufheben und Getrenntes spüren können. Und das Verbindende und Verbundene zulassen. Den ganzen Morgen schon knallt es draußen ununterbrochen, die Tiere sind am Zittern, aber gnadenlos werden die Knallkörper, die nachts nicht zur Geltung kamen, nun am Tage abgeschossen und aufgebraucht. Irgendwann geht auch das vorüber, und wer kann schon sagen, was schon immer so war, oder wo das Ganze ins Unerträgliche hinüberschiftete, wo man vom Leidenszwang selbst gefordert wird, so als müsse sich jeder sprachlos einfügen in die kollektiven Lösungen. Auch hat es oft mit Lösungen gar nichts zu tun, sondern es sind Auswüchse, die durch das fraglose Zugeständnis an das, was sehr viele Menschen als „normal“ deklarieren, gemacht werden. Deklarieren ist vielleicht zu viel gesagt, eher einfach alles mitmachen, was sich ergibt, und es ergibt sich immer sehr viel. In Fledermauszeiten ist es eben genau umgekehrt: die Stille ergibt sich dem Lärm, das Wissen der Unwissenheit. Ein unheldenhaftes Ergeben, einfach so. Midterm der Menschheitsgeschichte, in der jede/r auf einmal am Anspruch teilhaben kann, ein Mensch zu sein, und dann was für einer, und wofür. Einer der reichsten Männer im Dorf ist letzte Woche gestorben, und Ashok baut sich vor mir auf und sagt, er hätte eine Frage an mich, ja was nütze es denn jetzt, so viel gehabt zu haben? Solche Fragen beantworte ich nicht. Wer weiß schon, wieviel er davon gehabt hat, und ob er ohne mehr gehabt hätte. Dass wir aber Aussage machen über uns mit Schritt und Tritt und Blick, das ist bedenkenswert, und ob es doch einen Weg gibt, dem Ungewissen freundlich und wachsam entgegen zu gehen.

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