zumuten

 
 Es gibt den schönen Satz, von Ingeborg Bachmann hereingebracht, der aussagt, dass „Wahrheit“ zumutbar ist. Dass wir hier gleich beim Pudel landen, war nicht meine Absicht. Meine momentane Einstellung zu Wahrheit beinhaltet die Überzeugung, dass tatsächlich jede/r für sich herauskniffeln muss, was es bzw. sie (aus „es“ soll „sie“ werden) im Kontext zum Weltvorgang und der eigenen Anwesenheit bedeuten kann, wenn man denn „Wahrheit“ zumuten wollen kann bzw. können will. Und klar kann jemand, der das kann, und auch der/die es nicht kann, die eigene Wahrheit zumuten. Das ist es ja, was man mit Menschen aushalten und unter (guten) Umständen durchhalten muss. Und dann man selbst, ich selbst als herumwandelnde potentielle Zumutung. Natürlich kann man auch den Zumutungen wehren, unbedingt, denn auch der Empfang des Zugemuteten hängt von jeden Mannes und jeder Fraues (das hast du prima gemacht, lobe ich mich für mein Gender-Ei)) eigenem Maßstab ab, dh auf welchen Ebenen das Zugemutete jeweils stattfindet. Und wenn dann auch noch ferne und finster kaschierte Spielsandkästen herausgemustert werden und auf weitere Zumutungen stoßen, dann geht oft viel schief. Wenn in einer äußerlich friedlichen Gesellschaft das Schiefe anwächst und sich durchsetzt, dann wundern sich immer weniger VerursacherInnen über diese Misere, denn die kollektiv angekränkelte Gesellschaft kann gar nicht wahrnehmen, was eigentlich dem Menschen zumutbar ist, und vor allem: was nicht? Der universelle Geist, der das Ganze durchweht (stocknüchtern gemeint, danke), scheint an sich großzügig, ja anarchisch. Was droht hier, was lobt!!!? Schaut da was zu und verteilt Noten!!?? Und sortiert penibel, wie man es erwartet, zwischen „Gut“ und „Böse“? Das soll der Geist sein, der um uns weht? Gut, ich will auch nicht ein paar Jihadisten interviewen zum Thema, was man ihnen zuhause alles angetan hat, um so böse werden zu müssen. Jede/ darf ja, was er kann. Vielleicht lässt der Geist alles zu, was da sein will, dh. konsequenterweise muss ich natürlich wissen, wo ich herkomme, aber ich muss auch wissen, wo ich hingehe. Die Wahrnehmung des erfahrbaren Gesetzes von „Ursache und Wirkung“ kann man zum Bespiel zumuten, da jeder den gewünschten Zugang dazu haben kann, doch doch!. Und wenn mir etwas zugemutet wird, an dessen Handhabung ich gescheitert bin, dann ist es angebracht, dem unguten Spiel Einhalt zu gebieten und als Wirkung davon zu erkennen, was man ganz persönlich für unzumutbar hält. Wenn dann Zugänge noch offen sind oder offen bleiben, werden Lösungen wie von selbst erscheinen. Oder auch nicht. Ich mute auch ganz gern was zu. Es ist meistens ein Kompliment an mein Gegenüber. Nirgendwo ist Garantie, keinerlei Versicherung für Bestand. Alle sind in eigener Verantwortung zuständig und unterwegs. Und wenn man den Anfängen nicht gewehrt hat, dann kann man sich immer noch wehren, wenn es angebracht ist. Wer bestimmt mein Tun und Denken? Wer macht die Regeln?

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