Kind

20160629_164500*s.u.

Atemberaubend fürwahr
ist der Schrei, der das
Gehirn durchdringt,
und dort, im Verborgenen
der Windungen Dichte um
Dichte durchzittert und
vorstößt ins Kinderzimmer,
wo das Kind liegt und
hinausschaut aufs
antwortlose Nichts,
bevölkert vom Toben
des Menschseins und
seiner zerstörenden
Wirkung. Wenig später
läuft es herum und sucht
nach den Worten, die keiner
gesagt hat und findet sie nicht,
denn sie sind verschwunden
im Unerhörten. Dann wächst es
und spricht und gehört nun zu
sich und schaut durch Fenster
auf Leben – und nimmt vom
Außen, was innen erlischt –
und kann das Eigene nach draußen
nicht geben. Dann wird es gefragt,
was es werden will, und muss sich
entscheiden – sucht im Meer seines
Ohres nach einer Antwort, die dem
Innen entspricht – und wählt das
offene oder das geschlossene Tor.
Will ich es immer noch Gnade nennen,
wenn das Kind dann noch Zugriff hat
auf das Feld einer inneren Stimme,
denn sicher, es ruft sich selbst und
wird auch gerufen, die versunkene
Welt aus den klagenden Mustern zu
formen, und setzt den Schrei der
Verstummten um in fassbare
Wirklichkeit. Gibt Antwort auf die
Fragen des Schicksals, Antwort auf
des Raunens stummes Geheimnis,
Antwort auf Raum in mir selbst und
den Anderen.

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Was das Bild betrifft, so bin ich ziemlich sicher, dass es von David Lynch ist, habe auch versucht, es zu klären, wollte es aber auch unbedingt zu diesem Text, der auch ziemlich düster ist. Beide berühren mich an einem bestimmten Punkt, wo ich vielleicht etwas von dem, was bei mir selbst im Wortlosen lebte, nun in diese Worte umsetzen konnte. Immer mal wieder sehe ich kleine Kinder, höre ich von Kindern, fühle ich mit Kindern mit, wie sie so ausgesetzt sind in ihrer vollkommenen Zartheit und Freiheit, die nur  im Schutz von Erwachsenen erblühen kann in ein eigenes, selbstbestimmtes Leben, und ich bin fassungslos zu wissen, wie vielen es so früh schon verwehrt ist. Das hat mir in meinem gestrigen Beitrag an der Zeichnung des Mädchens gefallen, und ja! fürchtet die Zeit, sagt sie uns bzw mir, damit wir uns nicht daran gewöhnen, dass Kinder scharenweise im Meer ertrinken und millionenfach auf der Flucht sind, und es nicht genügend Hinweise und Zeichen gibt auf tief erschrockene Herzen.

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