hüten


Engel des Vergangenen
Natürlich hatte ich all meine kostbaren Lieblingsporzellanfarbtöpfchen hierher in die Oase  mitgenommen, aber bis vor wenigen Tagen noch nicht einmal herausgeholt. Seit meiner Trauer um Mensch und Tier im vergangenen Jahr habe ich keinen Pinsel mehr angefasst, und noch immer regt sich kein Impuls zum Farbfeld hin. Ich habe aber dann so ein bisschen herumgerührt im Grüngold und gleich den Engel  gesehen, der ins Vergangene hineinschaut. Nicht so ein prächtiger Erzengel, am Abgrund des Daseins die unlösbaren Rätsel des Menschenwesens durchgrübelnd, nein. Es ist ein eher stiller und wortloser Hüter all des Vergangenen, dem man mit Sprache (leider) niemals gerecht werden kann. Es tut mir auch gut zu wissen, dass mein eigenes Vergangenes in behüteter Schwebe gehalten wird, wenn auch nur von  mir bzw. dem Pinsel und natürlich dem Grüngold. Denn ich weiß, dass der noch tiefere Dank dem lebendigen Nu gilt, und das ist, wofür ich dann frei bin: für den Aufenthalt im Nu.

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