unerklärbar

Auch das Untröstliche kann eine gewisse Schönheit haben, die sich vermutlich nur d e m Blick öffnet, der geübt ist in der eindringlichen Betrachtung des menschlichen und tierischen und naturbedingten Ablauf des Dramas. Wozu in letzter Konsequenz alles vom Geist Fassbare gehört, da das schweifende Auge nichts erkennen kann, was nicht dazu gehört. Es ist alles da, was um Himmels Willen soll man machen. Vor allem nichts um des Himmels Willen, denn es wäre ziemlich mühsam, ihn (den Willen des Himmels) zu erkennen. Und so sitzt man im Drehbuch, das sich Tag für Tag aufblättert, und an den Seiten und für die Fußnoten und auf kostbarem Pergamentpapier notiert man die eigenen Entwürfe, und manche setzen sich um. Immer mal wieder dreht einen die bewegliche Zeitlupe zurück und man sieht einen Lebensweg, der nur der eigene sein kann. Ständig wählt man Kostüme und passende Schuhe, damit einem das Pflaster, auf dem man sich bewegt, nicht im Wege steht. Oder der Waldboden. Oder die Eisdecke. Aber wie kam ich auf das Untröstliche. Man fällt zum Beispiel, meist getriggert durch eine Erkenntnis, fällt also in eine Versunkenheit, die nicht (mehr) durch dagegen gesetzte Widerstände aufgehalten wird. Das Versunkene ist eher eine Räumlichkeit als ein Fall, aber man scheint doch in eine Tiefe zu fallen, bis man da ist. Nun ist zwar alles (andere auch) noch da, der Film läuft ab mit dem Bühnenbild und den Figuren, die sich darin bewegen. Aber man selbst hat gerade keinen Auftritt. Am besten ist es,  es sich gut gehen zu lassen. Auch wenn es Anderen auffällt, dass man nicht (für sie) da und erreichbar ist, gibt es hier zum Glück keinen Trost. Trost ist vollkommen unangebracht, denn man könnte auch sagen: endlich ist es mir gelungen, alle meine Fühler nach innen zu holen und Ausschau zu halten nach neuen Ordnungen und erweiterten Freiheiten  im Sinne einer Dehnung von ganz innen nach letztendlich ganz außen, wo man dann das Gewohnte wieder als solches erkennt, ohne daran haften zu müssen. Da wird das Tröstende wieder ganz natürlich, denn man sieht ja, dass alles Daseiende seine eigene Schönheit hat, auch wenn es einen drängt, die sich darbietenden Ausnahmen zu nennen. Aber als dramatische Darbietung ist es allemal umwerfend, man muss nur darauf achten, dass es einen nicht selber aus der Bahn wirft. Man kommt nicht umhin, selbst die Bahn zu werden, beziehungsweise zu sein. Und genau da, wo es an Komplexität kaum mehr zu ertragen ist, kommt es einem plötzlich einfach vor. Das Unerklärbare ist selbst ein Trostpflaster, dem man (günstigerweise) begegnet mit absolut nichts, auf das es sich heften kann.

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