verbinden

Diesen Platz (4×4 Meter) mit dem Steinsitz und dem aus Ton erzeugten Yogi (von U. Güdelhöfer) haben wir vor etlichen Jahren mit der Hilfe von zwei albanischen Freunden erschaffen, sozusagen als eine indische Ecke mitten in unserem Garten. Auch der Hintergrund erinnert mich an die Monsoonwände Indiens, die man entweder, je nach Tag und Befindlichkeit, als die natürliche kosmische Leerheit erfahren kann oder aber als die perfekte Leinwand für die Spielbesessenheit des Geistes in Bezug auf die Geschichten der Welt, die sich auf ganz individuelle Weise im Innen wie im Außen in Bezüge stellen. So schaute ich da gestern mal wieder eine Weile genauer hin und dachte: ja, das entspricht mir gerade sehr, diese Einfachheit des geschlossenen Sitzens, das erfahrbarer Weise eine Ruhe erschaffen kann. Man kann nun auf kopfgesteuerte Entscheidung hin natürlich die Ebene wechseln, das heißt man kann sich in den inneren Raum begeben, denn der ist ja immer da. Aber dort ist es nicht automatisch still, von Ruhe ganz zu schweigen. Gut ist, wenn man sich selber nach innen ruft, weil man eine Klarheit braucht, die mit Denken allein nicht herzustellen ist. Denn damit ist man ja dann allein, wo auch immer: im Stübchen oder im Garten oder im Tempel oder im Nichts. Oder man wird erst einmal vom Lärmen des eigenen Gedankenspiels überwältigt und will auch noch entscheiden müssen (z.B.), ob der ukrainische Botschafter Melnyk ein unhöflicher Halunke ist oder ein netter Mensch mit wachen Äuglein, oder ob die Wahrscheinlichkeit einer Atombombe eingeschätzt werden kann, oder ob die russischen Hacker, die es geschafft hatten, am 9.Mai alle russischen Sender eine Weile mit realen Nachrichten aus der Ukraine zu versorgen, ob sie also schon ermordet wurden oder nur im Gulag gelandet sind. Oder zur Abwechslung mal gar nicht auffindbar von den Bluthunden, aber eben: man weiß es nicht. Aus dieser Perspektive, eben allzeit nur Geringes über all das denken und wissen zu können, obwohl man sein eigenes Research-Gebiet gerne als einen unvergifteten Ozean betrachtet, von da aus gesehen also starrte ich auf die stille Figur. Für ein Bei-sich-ankommen braucht es eine ziemlich aufwendige Vorbereitung. Die „Vorbereitung“ kann man hier als das Leben selbst betrachten. Die verbreitete Annahme, man könne sich vor allem im Außen begegnen, ist nur insofern akkurat, dass man sehr vereinzelt etwas erleben kann, was einen anspricht oder berührt, also auf den eigenen inneren Klang antwortet. Aber die Beziehung zu mir selbst ist in jeder Hinsicht d i e Beziehung, die es zu klären gilt. Anscheinend stehe ich vor allem mir selbst gegenüber mit den Fragen, die zu beantworten sind. Dann, wenn die innere Substanz und ihre Inhalte einigermaßen  durchforstet, durchleuchtet und reflektiert sind, kann ich mich nach außen hin vertreten, bzw. sein, und es bleibt mir nichts anderes übrig, als die ganze Wucht meines Schicksals auf mich zu nehmen. Eigentlich sollte das ansteckend und anregend und abenteuerlich klingen, aber selbst der Quantensprung, also  der Sprung vom Tellerrand in die ungewisse Schwärze des Alls, ist ein Klacks gegen den Nu, in dem ich mich selbst erfasse. Denn wer immer das sein mag, so treffe ich mich nur einmal als die, die ich bin. Wenn ich das aber erfasse, auf welchem Weg auch immer, kann ich mich leichter mit den Anderen verbinden, ohne mein Alleinsein verlassen zu müssen.

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