empören

Bei den Empörungen, die durch die Verschiebung der bis dato existierenden Weltordnung ausgelöst werden können, kann man darauf achten, dass man die Empörungskraft nicht verplempert, sondern förderlich einsetzt. Es kann natürlich hilfreich sein, die Empörung einfach als ein Ventil zu benutzen und sie an irgend etwas oder einem Menschen festzumachen, was überhaupt nichts damit zu tun hat, um was es gehen könnte. Vieles kann Empörung auslösen, der Maskenzwang, die Uneinigkeit unter Virologen und Ärzten, die man für kompetent deklarieren möchte,  die Botschaften, die aus langen, politischen und geheimen Sitzungen hervorquellen, wo sich in bisher unbekannten Formen des Krisenmanagements sogenannte VolksvertreterInnen sich auf Maßnahmen einigen müssen, die diesem größeren Publikum verständlich gemacht werden können und auf Umsetzung hoffen dürfen. Und über ’nein!, diese Maske trag ich nicht‘, muss man dann günstigerweise selber nachdenken, Umgang, Möglichkeit, Revolte, alles möglich. Empörenswert empfinde ich die Vorschläge, die wie Irrlichter über die sogenannte Risokogruppe, die neuen Gefährdeten, also ab fünfzig aufwärts und dann ab Altenheim total wie ein monströser Schatten über ein tiefleidiges Tabuthema gleiten, wie man in gauklerhafter Geistlosigkeit auf einem Titelblatt der „Zeit“ lesen konnte. bei der es um die Frage ging, wie ‚wir‘ die ‚Schwachen‘ beschützen können. Das ist ja abenteuerlich, wie hier Millionen Menschen ohne Differenzierung in eine unangenehme und unkomfortable Einkaufstasche gesteckt werden und zu Alzheimer und DemenzanwäerterInnen gemacht und auch wenig nachgefragt wird, wie’s denn so geht und wirklich ist, und überhaupt könnte ich hier mein Samuraischwert herausnehmen, was nicht angemessen wäre, daher keine Waffe. Eher eine Auslotung an der Stelle des Übels: der misslichen Einstellung zum Alter, diese Erwartungshaltung, dass da alles zusammenbricht und nicht mehr kann, und nicht wird wie eine kluge, von Lebenserfahrung reiche Quelle, an der es schicksalsgefiltertes, klares Wasser zum Einnehmen gibt, sondern ein mit allen möglichen Blockern vollgestopftes Geschöpf, das Anderen im Wege steht, bis es endlich abzwitschert. Das hat mir (einst)gefallen in Indien, als ich jung dort ankam, dass ich noch das Glück hatte, bei älteren und alten Menschen sitzen zu können und zu erfahren, wie sie das Ganze sehen und handhaben, was ihre Werteskala beinhaltet, zu welchem Punkt der Einsicht sie gelangt sind. Das ist das Waffenlager, das mich interessiert hat: Instrumente des Selbstschutzes, die gleichzeitig Musik machen, die man je nach Situation und Knowhow in Schwingung bringen kann, als souveräne/r Einzelkämperin und im gemeinsamen Zusammenspiel. Hier verebbt die Empörung von selbst. Die Zeit, in der wir uns momentan bewegen, ist keine Zeit für unnötige Anklagen oder Wurzelbehandlungen, wenn Zähne erstmal erhalten werden müssen. Aber schon schade, dass Mode und Weisheit inkompatibel erscheinen. Aber sind sie es wirklich. Mode, also Outfit: Stilrichtung und Haarfarbe und Kostüm sind das Vorüberziehende, während Weisheit der stabile Anker ist und bleibt, auch wenn manches wie vergessen erscheint. Kein Zweifel, wir gehen auf neue Ordnungen zu, die entstehen, indem das zuvor Unvorstellbare sich manifestiert und neue Worte kreiert und auch braucht, um sich verständlich zu machen. Der Mut zur Empörung und das Angemessene, das von der bestehenden Weisheit genährt wird, das scheint mir (u.a.) eine gute Navigationsausrüstung.
Auf Zen-La ist es still. Die Fremdlinge haben sich ihre großzügigen Wohnbereiche ausgesucht und  kommen nun zusammen, um die weiteren Schritte zu kontemplieren. Alles, was sich hier bewegt, ist die Ordnung selbst, die sich durch das Seiende erschafft. Man bedenkt die Wendung des Auges nach innen und lässt es, ganz wie das technische Licht bei der Darmspiegelung, durch die Gewinde der Synapsen gleiten, um Ausschau zu halten nach Spuren der Ich-Verhaftung. Man entwickelt mit ein paar wenigen Schritten einen Ablösungsprozess und vertieft sich in die Wirksamkeit heilender Anwendung.

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