Kind

 

Atemberaubend fürwahr
ist der Schrei, der das
Gehirn durchdringt
und dort, im Verborgenen
der Windungen Dichte
um Dichte durchzittert
und vorstößt ins
Kinderzimmer, wo das Kind
liegt und hinausschaut
aufs antwortlose Nichts,
bevölkert vom Toben des
Menschseins und seiner
zerstörerischen Wirkung.
Wenig später läuft es herum
und sucht nach den Worten,
die keiner gesagt hat, und
findet sie nicht, denn sie sind
verschwunden im Unerhörten.
Dann wächst es heran und spricht
und gehört nun zu sich und
schaut durch Fenster auf Leben –
und nimmt vom Außen, was
innen erlischt – und kann das
Eigene nach draußen nicht geben.
Dann wird es gefragt, was es
werden will, und muss sich
entscheiden. Sucht im Meer seines
Ohres nach Antwort, die dem
Innen entspricht – und wählt das
offene oder das geschlossene Tor.
Will ich es immer noch Gnade nennen,
wenn das Kind noch Zugriff hat auf
das Feld einer inneren Stimme, denn
sicher, es ruft sich selbst und wird
aufgerufen, die verborgene Welt aus
der eigenen Quelle zu formen, und
setzt den Schrei der Verstummten um
in fassbare Wirklichkeit. Gibt Antwort
auf die Fragen des Schicksals,
Antwort auf des Raunens stilles Geheimnis,
Antwort auf Raum in sich selbst
und die Anderen.


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