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Wieder ein Tag, an dem man über ein öffentliches Medium daran erinnert wird, wie die Geschehnisse im kollektiven Gedächtnis erhalten werden können. Anne Frank, die heute noch Groß-oder Urgroßmutter hätte sein können würden, wäre sie nicht krank und ausgehungert mit 15 Jahren im KZ gestorben. Man denkt, man kennt diese Geschichte, aber solch eine Geschichte kann man nie kennen, auch wenn sie Hautnähe erreicht. Man wüsste auch weniger über bestimmte Dinge, wäre nicht eine Begabung unterwegs gewesen, deren weitere Werke, ihre nämlich, man gerne gelesen hätte, sie nun aber die Vermittlerin des Entmenschlichten wurde. Noch hält man sich innerlich in der schwebenden Hoffnung auf, dass das genug war, nun aber wirklich einmal genug!, um nie wieder… im großen Aufschrei „Nie wieder!“ zu verhallen. Das hat aber nie aufgehört, und manchmal denkt man: das wird immer schlimmer. Vermutlich wird es nur bewusster, ein Bewusstsein, das sich für viele auftut wie ein Ungeheuer, weil einiges, für was man nicht vorbereitet wurde, einen unvorbereitet trifft. Immer kommt es auch auf die Qualität der Zeugenschaft an. Ja, es ist ungeheuerlich, wenn in Indien heute noch Millionen von Kindern nicht in die Schule können, weil sie für ihre Familie Geld verdienen müssen, Plastik sammeln, Teppiche weben, an auf Rot geschalteten Ampeln mit flehenden Augen Zeug verkaufen wollen an Insassen der Wagen. Ich kenne das vom Inneren des Wagens. Manchmal habe ich was gekauft, manchmal nicht. Wenn man an jeder Ampel von aufdringlichen Geschöpfen bedrängt wird, will man auch nicht immer an das denken, was letztendlich nicht hilft. Aber ein kleines Geldgeschenk kann schon (immer)  mal für etwas Erleichterung am Tag sorgen, auf beiden Seiten. Ansonsten finde ich es nach vielen Jahren Erfahrung in Indien eher unangenehm, wenn wegen des „Tages der Kinderarbeit“ aus den Studios mit gut gesättigten Journalisten das Team losgeschickt wird, um auf den Straßen Neu Delhis eine obdachlose Mutter zu interviewen, deren Töchter an den dreckigen Straßenkreuzungen der Stadt Blumen zu verkaufen suchen, damit sie abends was zu essen haben. Aber wer weiß? Vielleicht wird es das Highlight ihres Lebens, einem ausländischen Filmteam mal etwas von sich erzählen zu können. Immerhin wurde sie gewählt unter Millionen. Und manchmal ist es auch wichtig, dass die eigenen Augen und Ohren bei aller Ohnmacht etwas sehen und hören können, was einen wachhält an manchen dumpfen, aber erweckbaren Stellen. Das Bild oben links ist aus der „Zeit“. Aktuell aus dem syrischen Krieg. Todesgefahr auf den Straßen in Idlib, meine Augen versenken sich in das Erschreckende. Wie viele Jahre ist das alles her, und noch hat niemand Assad zur Rechenschaft gezogen für seine Verbrechen. Und werden sich wohl andere Völker einmischen, wenn Narendra Modi in Indien sein wahres Gesicht zeigt und seine Pläne offenbart, von denen einer ist, dass Muslime aus dem Land gejagt werden, damit der reine Hindugeist nicht weiterhin verunreinigt wird. Wer sollte das hier im Westen richtig verstehen wollen und können, die Dinge sind ja in sehr komplexen Mustern miteinander verwoben. Und doch ist es sichtbar, dass hier etwas geschieht, was dem Hitler Regime keineswegs unähnlich ist. Ja, das ist auf dem Wege, dass nicht nur Muslime sich fragen werden müssen, wie lange sie das Ertragene dulden können, oder rechtzeitig ausreisen, oder entrechtet werden, oder sterben. Letztendlich sind es immer die Kinder, die Schaden nehmen. Heute früh wurde mir lachend ein gefundener Sticker gezeigt, auf dem stand: „Macht es wie wir Kinder: werdet erwachsen.“ Tun wir tatsächlich alle unser Bestes?

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