K.-Klappe

Da ich selbst mit einem gewissen Interesse einen Artikel von Bernd Ulrich im Zeitmagazin der „Zeit“ gelesen hatte über seinen Weg vom Fleischesser über Vegetarier hin zum Veganer, fiel mir nun ein Leserbrief darüber ins Auge, in dem sich jemand beklagte über „die neue Personenbetulichkeit“ und lieber hätte, dass persönliche Befindlichkeiten in der Zeitung außen vor blieben  Dafür kann man Verständnis in sich finden, wenn man die „Zeit“-lesenden Veganer jetzt einmal weglässt, unter denen das vermutlich ein Wohlgefühl ausgelöst hat. Nun sind die Übergänge von dem, was als „persönlich“ gesehen wird, oder als an Persönlichem mangelnd, oder z u persönlich bis missionierend oder übergriffig empfunden wird undsoweiter, diese Übergänge sind meist sehr fließend. Doch können wir  wirklich von dem berichten, der wir nicht sind, oder das erzählen, was wir nicht erlebt haben. Auch kann das, was für den einen wie eine Schlaftablette wirkt, für den anderen hochinteressant sein. Es ist ja auch eine Kunst, eigene Erfahrungen möglichst nah und lebendig zu vermitteln, und außerdem darin noch einen Kern zu entdecken, der auch für andere anregend sein könnte. So scheinen es vor allem die Verbindungen zu sein, die ich mit einem gewissen Thema herstelle und die verbalen Bausteine, die ich benutze, die gleichzeitig meine Erfahrung beschreiben, andrerseits einen eigenen Sinn ergeben, der sich vom persönlichen Erleben auch wieder lösen kann, um eine weitere gedankliche Spur zu öffnen. Also: wann und wo und wodurch wirkt etwas persönlich, und kann ich überhaupt etwas von mir geben, was nicht persönlich ist. Auf den Gedanken kam ich heute früh, als ich einen Freund erwartete, den wir gebeten hatten, in einer meiner Wände die fünfte Katzenklappe im Haus anzubringen, also noch ein Loch in eine Wand, diesmal in die in einem meiner Zimmer, zu bohren, und ich war noch nicht sicher, ob ich das wirklich für sinnvoll hielt. „Seltsam“, löste sich ein langsamer und absurder Gedanke aus mir heraus, seltsam, dass man eines Tages in einem Haus mit fünf Katzenklappen lebt. Wer hätte es vermutet, wer für möglich gehalten. Oft wird geunkt, ein Mensch könne sich nicht verändern. Doch, kann er oder sie, doch, geht. Ist immer mit riesigen Prozessen verbunden und entweicht grundsätzlich der Vorstellungskraft. Die Vorstellungskraft ist der Antrieb, das Ergebnis oft überraschend. Manchmal, wenn die Anekdote abgerufen wird, erinnere ich mich an mich in New York in einer Bar sitzend an der Theke, vor mir tierisch Gehacktes mit einem rohen Ei drin und Zwiebeln und Gürkchen an der Seite, und Worcester Sauce natürlich, und dazu eine Blood Mary, wenn schon, denn schon, und der Leidenschaft des Rauchens frönend, und was nicht noch alles dazu gehörte. Das schien so sehr ich selbst, sodass ich mir auch heute noch freundlich zulächeln kann. Das muss ich wohl gewesen sein, wer denn sonst. Die Bewegung war wichtig. Wir waren die ersten persönlichen Umsetzer, die sich geistig, politisch und körperlich von allerlei Gesellschaftsbanden befreiten. Sehr rigoros, sehr persönlich. So uneingeschränkt, dass es wieder Grenzen brauchte. Ein Mensch, der von anderen nicht zu sehr gestört oder begrenzt wird, sucht sich eigene Freiheiten und Grenzen, die passen dann meistens ganz gut in die Lebensgestaltung. Manchmal, wenn ich mich morgens dem Computer nähere, um meinen Beitrag zu schreiben, bemerke ich, dass in meinen Archiven die Öllampen angehen, von mir aus auch ein LED Strahler, und etwas, das sich in meinem Inneren abspielt, bereitet sich auf einen öffentlichen Zugang vor, das ist eine Tatsache, ein Automatismus. Trotzdem gibt es Gefahren, immer gilt: Auge, sei wachsam! Was die Katzenklappe betrifft, so verstehe ich, dass alles, was man liebt, seine eigene Freiheit haben muss zu kommen und zu gehen.

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