dabei

Die Welt ist ja nicht nur ein Paradies und eine Hölle, sondern vor allem auch ein Resonanzkörper für das, was auf ihr geschieht und angestellt wird. Wer kennt nicht den schnellen Unmut, wenn der Kopf brummt oder eine anstrengende Begegnung einen in die Nicht-Freude am Menschen transportieren kann, wie auch immer flüchtig und vergänglich das meistens ist wie alles, was hier vorüberzieht. Und das, was stabil erscheint und verlässlich, hat immer mit inneren Einstellungen und Haltungen zu tun, die man sich im Verborgenen mit der nötigen Ernsthaftigkeit ans Herz genommen hat, und das unermüdlich über die sich dehnenden Jahre hinweg, die auf dieselbe Art und Weise Ewigkeit sind und Flüchtigkeit. Wer weiß schon, warum das alles nötig ist, was man selbst bei sich nährt und erzieht, wissend, dass da, wo ein lichteres Bewusstsein sich durchsetzen konnte, der Giftbecher auch nicht weit war. Nur kann man daraus keine endgültigen Schlüsse ziehen, vielleicht etwas speichern über die Kunst des Sterbens. Ich hänge aber noch etwas gedanklich herum an dieser digitalen Revolution. Es verblüfft, wie schnell man sich selbst zu verstehen geben kann, dass halt in der eigenen Zeit die Dinge vergehen wie die von Silvia Bovenschen in „Älter werden“ erwähnten Milchflaschen, die noch vor Jahren mit Ackergäulen vor Türen transportiert wurden, oder wie man Goethe um seine Kutschenfahrt durch Italien nachträglich beneiden könnte. Und ja, auch das Verschwinden des Pfluges und der Sense muss für viele schmerzhaft gewesen sein, obwohl die Umschwünge einen gezwungen haben zu glauben, dass die Maschinen dem Menschen mehr Zeit gönnen werden für sich, was sich nicht wirklich umgesetzt hat. Das wissen wir sehr wohl von der Technik, dass wir abhängen von ihr draußen und drinnen, von den Autos ganz zu schweigen und den Flugzeugen, die uns,  illusionsgeladen und grenzenlos ichbedienend, durch das glänzende All tragen, wo man manchmal, an die versiegelten Fenster gepresst, unten auf der Erde Länder und Wohnorte sieht, da will man nie hin, und man wird auch nie wissen, wie es die da in die kalte Einöde verschlagen hat, und da ist man froh, auch dort elektrisches Licht zu sehen. Hier im Dorf wurden, als ich damals ankam, die ersten Lichtschalter angebetet, ist es doch immer der Gott gewesen, der so tolle Ideen hat. Nun wird auch nicht jede/r  durch das smarte Phone aus der eigenen Welt gerissen, und manchem kann das vielleicht auch mal gut tun. Nur…nur…(noor) Sloterijk und Erich Fromm schwirren mir durch den Kopf….brauche ich Beistand in der Wahrnehmung einer einmaligen globalen Katastrophe, die meinem persönlichen Wohlbefinden und meiner Weltbegeisterung gerade keinen Abbruch tut? Aber das ändert ja nichts an den Tatsachen. Und eben der dadurch auftauchende Schwerpunkt des Denkens, konzentriert auf die noch nicht beantwortete Frage, was den Menschen zum Menschen macht, ganz abgesehen von der, meist westlich geprägten, linearen Intelligenz, die auf dieser Linie alles für menschenmöglich hält, was es letztendlich auch zu sein scheint. Denn auch wenn der Mensch sich als Mensch verliert, ist ihm das möglich gewesen. Ein Mönch hat mich mal darauf hingewiesen, dass alle Zeitalter und Ebenen immer gleichzeitig da sind und es sehr früh im Leben schon von uns abhängt, wo und warum wir uns irgendwo aufhalten, und welche Daseinsschulung uns anspricht, ganz abgesehen von den flüchtigen Dingen, die mit der Zeit hinter uns verschwinden. Wo ich mitmache und dabei bin bei den vielen Angeboten, und wo nicht.

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