Karfreitag

 
Eigentlich (auch so ein interessantes Wort wie „deswegen“) wollte ich das Lied „You want it darker“ von Leonard Cohen hier noch einmal hörbar machen, aber man kann es nicht nur im Netz hören, sondern auch  am 31.Mai 2020 in meinem Blog. So tritt er (Cohen) heute, an diesem unseligen Tag der christlichen Legende, vor allem als Dichter auf. Hineni, sagt er, also wenn du es unbedingt dunkler möchtest (Herr), ich bin dabei, oder genau gesagt: hier bin ich. In einer der vielen Nebenvorstellungen, mit denen man sich zu schulen oder zu unterhalten sucht, sieht man Putin, den zur Zeit von der Weltgemeinde Geächteten, an diesem leidgetränkten Tag auf den Patriarchen Kirill (z.B.) treffen, der ihn, so gerüchtet man, in seinen Wahsinnstaten unterstützt und fragt die unnütze Frage, ob sie wohl gemeinsam des Gefolterten gedenken, auf den die Menge gegafft hat und niemand aus purer Angst fähig war, die Lage einschätzen zu können, oder überhaupt zu wollen. Oder zu wissen, wie tatsächlich banal das Böse sein kann und ist, oft so freundlich mit den richtigen Gesten, und alles scheint eiskalt kalkulierbar, sodass man in Filmen mit Starbesetzung schon mal einen richtigen Zocker oder Mafia Boss bewundern kann, ohne gleich eine Waffe kaufen zu müssen. Gerade noch rechtzeitig hörte ich dann eine Zeile von Anna Achmatowa: „Wer ist ein Mensch, und wer ein Tier? Wann wird ein Urteil fallen?“ Man kann auch das Tier beleidigen, wenn man es als das niedrige Zeichen benutzt. Der Mensch kann noch weit drunter, weit drüber allerdings auch. Hier also das Gedicht von Leonard Cohen als Beitrag zum Tag des Verlassenen:

You want it darker

If you are the dealer, I’m out of the game
If you are the healer, it means I’m broken and lame
If thine is the glory then mine must be the shame
You want it darker
We kill the flame

Magnified, sanctified, be thy holy name
Vilified, crucified, in the human frame
A million candles burning for the help that never came
You want it darker

Hineni, hineni
I’m ready, my lord

There’s a lover in the story
But the story’s still the same
There’s a lullaby for suffering
And a paradox to blame
But it’s written in the scriptures
And it’s not some idle claim
You want it darker
We kill the flame

They’re lining up the prisoners
And the guards are taking aim
I struggled with some demons
They were middle class and tame
I didn’t know I had permission to murder and to maim
You want it…


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