tragen

Immer wird Schicksal auf den Schultern getragen, das eigene und zuweilen das der Anderen auch. Und dann das Schicksal, das die Welt im Moment des eigenen Aufenthaltes betrifft, das tragen wir auch mit, oder zumindest können wir es nicht leugnen, was da los ist und was man so hört. Auch vor der digitalen Revolution war das nicht anders, wobei die Neuigkeiten offensichtlich nicht so vielfältig waren, aber in jeder Zeit machte jede/r damit, was man wollte, und schwer ist es geblieben, an authentische Berichterstattungen zu kommen, wenn man selbst darum bemüht ist. Klar geworden ist, dass der neue Held des ukrainischen Krieges einen dummen Fehler begangen hat, indem er ein deutsches Staatsoberhaupt auslädt, das sich gerne für seine Interessen eingesetzt hätte. Rumpel, rumpel, der Super-Hero hat eine Narbe, geboren aus alten, ihm unverzeihlich vorkommenden Verletzungen. Man sucht nach Verständnis, denn alles, was er wirklich fordert und will, sind angemessene Waffen für das Gemetzel, das weiterhin stattfinden wird, bis irgendwann sich jemand ergibt oder gezwungen wird, sich zu ergeben. Wo soll man hin mit dem, was so gerne das Mitgefühl heißt. Wie viel Vorrat an Mitgefühl haben wir angereichert, oder kann das einfach so spontan da sein und sich zum Beispiel auf die Flüchtenden legen, denen ihr Leben geraubt wurde? Wie nebenher staune ich, wie viele Bomben zur Zeit in Deutschland gefunden und entschärft werden und tausende von Bewohner*innen ihr Zuhause verlassen müssen, weil sie sonst immer noch Gefahr laufen, von dieser Vernichtung erfasst zu werden. Diese Bomben und Minen werden auch in der Ukraine zurückbleiben und weitere Menschen zerfetzen. Nur, dass wir (?) das jetzt wollen oder auf einmal bejahen, dass genügend russische Körper außer Gefecht gesetzt werden, damit dem als unangemessen empfundenen Besitzanspruch des Diktators eine Grenze gesetzt werden kann. Man kann natürlich immer bei sich selbst beobachten, wie und wodurch Schicksal entsteht, und wie man beides erkennen und  kultivieren muss: einerseits die eigene Handlungsfähigkeit lebendig zu halten, damit man dem einem Entgegenkommenden gewappnet ist, beziehungsweise darauf antworten kann. Und andrerseits man dem persönlichen Schicksal nicht ausweichen kann und es zu tragen lernt, bis aus dem schwer durchdringbaren Ding ein Bündel geworden ist, das man bei der Wanderschaft auf einem Stecken mittragen kann. Ein verwegener Gedanke, wenn sich Tiefe und Heiterkeit dort im Bündel begegnen können. Was Zelensky und seinen ungünstigen Ausrutscher betrifft, so darf man gespannt sein, wie sich die Lage entwickelt. Schon hastet Kairos zu den Treppen, bereit, ein Lichtstrahl zu sein, mitten hinein in die Schicksalsdichte, besungen als Riss von Leonard Cohen, der sich auskannte mit Schicksal und seinen verdunkelten Flügeln.

 


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