einläuten

Das „Danach“ ist praktisch eingeläutet, und langsam sickert der Hoffnungsstrahl in die mentalen Ebenen der Bürger und Bürgerinnen hinein. Das ging oder besser geht so ziemlich schnell voran und prallt in erfreulicher Intensität mit dem Strahlen des Sommers zusammen. Zum Glück muss ich nicht zu einer fernen Wiese schweifen oder in einem Biergarten nach einem Bier lechzen (nicht, dass das nicht auch schön ist), sondern befinde mich eher, aber nur auf dieser Ebene, in abwartender Haltung, vielleicht bis der erste Schwung etwas gesättigt ist, wobei man auch hier Sättigung nicht erwarten sollte. Der Lockdown bot ja unzählige Möglichkeiten, ihn wahrzunehmen, aber ein Aspekt war sicherlich das Geisterhafte. Ein Großteil der planetarischen Bevölkerung in Geisterstimmung, natürlich mit Ausnahmen und inneren und äußeren Aufenthaltsorten, die ganz frisch und neu entstehen konnten. Zweifellos konnte man sich, bestenfalls unter guten Bedingungen, besser kennen lernen. Es gibt ja tatsächlich, wenn auch sehr wenige, unverrückbare Wahrheiten, die auch den letzten Test (wenn es ihn gibt) noch meistern, und eine davon ist (meines Erachtens) die Tatsache, dass man sich nur kennen lernt, wenn man Zeit dafür einräumt. Die simple Frage nach dem, wer man nun sei, hätte nicht in Delphi ihren Unsterblichkeitsbeweis schon hinter sich gebracht, sondern stets hat sie wieder neue Kraft, Geister in Unruhe zu versetzen. Vor allem in Zeiten, wenn der als normal empfundene Zusammenhalt auseinander bricht und die alten Pfade mit den vertrauten Spuren verweht werden vom Sand der Zeit. Man kann es auch so sehen, dass wir alle zusammen in eine Dunkelheit getreten sind, die zweifellos wahrgenommen werden musste und konnte, denn sie war spürbar durch Maßnahmen, die das „Normale“ zum Schwanken brachten. Und jetzt sind wir tatsächlich, wenn auch nicht gleichzeitig, so doch in einer Bewegung, die langsam aus dem Lockdowntunnel führt und ins Licht. Im Licht fühlt man sich natürlich sichtbar. Ein kollektives Trauma bietet seine Heilungsverfahren an, denn der/die Einzelne steht ja im Licht und atmet tief durch, was außerdem gut ist für die Lungen, über die wir einiges gelernt haben. Manche haben an Gewicht zugelegt, andere an Gewicht verloren. Aber in den vielen Spiegeln, die sich in Häusern tummeln, schauen Menschen sich an und versuchen zu erkennen, wer sie anschaut. Ist man sich vertrauter geworden oder fremder? Auch brechen sich mächtige Geschäftigkeiten wieder Bahn, eben die, die noch können, die durchgehalten haben und Unterstützung aktivieren konnten. Wegen den Masken und den Ausgangssperren war es auch nicht leicht, fällt mir gerade auf, zu sehen, was die Menschen so an Neuem an Kleidung in die Welt tragen, denn man war ja häufiger zu Hause und vielleicht nutzten die meisten die Gelegenheit, den bequemen Home-Dress zu tragen, oder halt wie sonst auch, immer durch sich selbst gekleidet also. Wahrscheinlich verlassen ganz viele sehr schnell die vergangene Erfahrung, und andere bleiben dort weiterhin in Bewegung, das hört ja nicht auf. Fakt ist, man muss mit sich selbst in Verbindung bleiben, damit man da ist, wenn man sich braucht. Und wann ist das nicht?

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