leichter

Warum ich gerade dieses Bild gewählt habe, um den Sommer, der gerade gelandet ist, zu begrüßen, musste ich mir (auch) selbst erklären. Vielleicht drückt das pralle Grün mit dem Ahornzweig nur in Kombination mit dem dunklen Hintergrund für mich aus, wie ich diese plötzliche sommerliche Hitze fraglos einordnen kann in die Flüchtigkeit des Nus, die mir zeigt, wie nah die Dinge immer beieinander sind und sein können. Vorne im Blick können sich die Augen kaum satt sehen an der Fülle des natürlichen Ausbruchs, während gleichzeitig tief innen eine Trauer herrscht und ein großer Fluss, der einst eine Göttin war, nimmt tausende von toten Körpern mit sich mit, bzw. treibt sie in den Buchten gnadenlos aufeinander. Tatsächlich, das kann nur ein Mensch, das gleichzeitig zu erleben, und das wird ein Computer nicht lernen können. Etwa mit einer derartigen Mühelosigkeit die Programme einschalten zu können ohne jegliche Zwischenablagerung. Das sich im Inneren bewegende kann zeitlose Momente im Sein verharren, kann im schwarzen Teil des Bildes ein Gesicht sehen mit Augen und einem Mund, aus dem ein Lichtstrahl fließt  (usw.) Je weniger ich eingesperrt bin von Wunsch oder Vorstellung oder Ideologie, desto freier fühlt sich das alles an, was ich dann zur Verfügung habe. „Alles“ heißt  wiederum, dass ich nun wählen muss, oder vielleicht ist  das Wort „Verantwortung“ hier gut untergebracht, nämlich schlicht und einfach für alles, was ich bin. Und eine Ahnung existiert da sicherlich schon vom „Wer“? Denn ohne zu wissen, wer ich bin, kann ich im Ungewissen nicht gut herumstehen, geschweige denn, die Navigationsgeräte einstellen, damit die Bewegung auch ein Tanz sein kann, oder eine Martial Arts Praxis. Wenn Menschen sich kennen, fühlt man sich auf eine bestimmte Weise zu ihnen hingezogen. Beim Sich-Kennen gibt es eine simple und eine komplexe Variante. Ich habe Bauern in der Thar Wüste getroffen, die waren die verkörperte Selbstwürde. Die meisten, auch Frauen, versammelten sich abends nach der schweren Arbeit im Tempel, wo sie, ohne lesen und schreiben zu können,  das Beste zu hörten bekamen, was das indische Wissen zu bieten hat, und das ist nicht wenig. Auf jeden Fall tropfte eine Essenz davon in ihr Leben und hatte Auswirkung auf ihr Verhalten. Auch hier kann man solche Menschen treffen, die einfach wegen viel Arbeit nicht dazu kommen, in Selbstgrübeleien zu verfallen. Problematisch wird es erst, wenn Dinge auftauchen, die dieser Lebensweise nicht mehr entsprechen. Dann kommen Erschütterungen, denen man ohne eigenes Denken und eigene Kontemplation nicht gewachsen ist, und dann folgt entweder ein Scheitern oder eine Bereitschaft zur Anerkennung der Komplexität. Natürlich kann innere Freiheit mit persönlichem Instrumentarium auch eine wahre Freude sein am kreativen Ausdruck, der sich durch das Zusammenspiel ergibt. Ergibt er sich einmal bei einem selbst, wird auch der Zugang zum Spiel der Anderen leichter.

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