wunder/sam/bar

 

Wir saßen an einem dieser schönen, deutschen Plätze, die irgendwas mit „Mühle“ heißen oder so, mitten in einem grünen Landstrich, und schon bei der Anfahrt, an einem winddurchwehten Sommertag in angenehmer Begleitung, denkt man, es kann wenig Schöneres geben. In der Gaststätte die großen, globigen Tische verteilt über die verfügbare Fläche, Schweinefleisch Angebot und vegane Suppe nah beieinander, überall bewegt sich was, weil es muss. In das Gespräch vertieft, hingen meine Augen ein paar mal an der Holzritze vor meinen Augen, bis die willkürliche Blattformation  oben links im Bild Gestalt annahm und als Bild aufgenommen werden wollte von mir. In Indien empfinde ich solcherart Sichtweisen manchmal als Not, weil sich zu viele Monsoonwände und zeitlose Steinkompositionen anbieten mit der Frage, warum um Himmels Willen ein Mensch noch den Drang nach „Kunst“ haben kann, ist man doch überall und ständig mit dem bereits Vollendeten konfrontiert, und wenn man auch diese Karotte als eine Karotte sehen durfte, steht weiterem belichtetem Aufenthalt wenig im Wege. Denn weiterhin tut man, was man kann, was soll man sonst machen, und man muss davon ausgehen, dass jede/r sein oder ihr Bestes tut.  Einstein soll gesagt haben, es gebe zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eins. Ich glaube an Letzeres“ Sehe ich auch so. Es sind nicht nur die Gefühle, die uns in unsere Zustände und Wahrnehmungen führen, sondern es sind die Gedanken, die begleitend mitspielen, aber auch oft unbeachtet mitlaufen, so als hätten sie jede Hoffnung auf wirksame Mitwirkung verloren. Dann wird es schwierig, sich in den Wundern aufzuhalten. Es gibt auch Gespräche, in denen sich das Wunderbare Raum verschafft. Es hat etwas vom komplexen Tanzschritt mit dem Gegenüber. Eine andere Kunstform ist erforderlich als die Kunst, in der geruhsamen Einsamkeit der Wunder gewahr zu werden.  Und man selbst bleibt sich doch auch ein Wunder, egal, wie reflektiert man sich zuweilen vorkommen mag. Ab und zu stoße ich mal auf so Dinge wie das rechte Bild oben, wo ich einmal eine Sammlung angelegt habe für die kleinsten findbaren Bilder. Eine schöne Versammlung von Welteindrücken! Was hat mich bewegt dazu? Wer war ich dort und dann, und wann nehmen diese Dinge ihren Platz ein und müssen auch ab und zu mal entstaubt werden, damit man die vielen Aspekte und Eindrücke des eigenen Auftritts nicht ganz vergisst. Innen ist ja genug Platz für alles: Labyrinthe, Korridore, Lagerhallen, Archive, Landebahnen für die Flüge, Tanztempel, Dunkelkammern. Und wenn es für Freude und Wachsamkeit zu heiß wird, einfach mal alles herunterschalten auf schlichteste Seinsebene. Da empfangen uns weitere Wunder.

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