landen

Ich habe heute eine wunderbare Geschichte aus dem Krieg gehört, die wohl irgendwo, Quelle unbekannt, mal erzählt wurde. In der Kriegszeit also ging ein junges Mädchen auf die Toilette. Das Haus wurde bombardiert. Als die nach Überlebenden suchenden an das Haus kamen, hörten sie ein Lachen. Das junge Mädchen wurde lebend und lachend aus den Trümmern geborgen und berichtete, dass sie nie gedacht hätte, dass durch ihre Handbewegung an der Wasserkette das ganze Haus einstürzen würde. Es war die Freude und Überraschung über die Wirkung ihrer Handlung, die sie erstmal begeisterten, bevor sicherlich auch andere Gefühle kamen. Das, was man manchmal in Blitzessekunden versteht, kann oft nicht wirklich Worte finden, denn man hat etwas auf einer Ebene verstanden, wo kurzzeitig alles Sichtbehindernde weggefegt wird. Oft bietet der Humor, wenn anwesend (Liebling der Götter), eine Tiefe, die mehr erschüttern kann als mancher Schmerz. Neulich hatte ich mal so eine erstaunliche Erfahrung. Ich kam gemeinsam mit einem anderen Menschen blitzschnell in eine absurde Wahrnehmung. Es ist ja müßig und oft unmöglich, hinterher zu wissen, was der Auslöser war. (Jemand hatte etwas von der „Befreieung des Sinns“ geschrieben). Jedenfalls fingen wir zu lachen an, und es steigerte sich in den unkontrollierbaren Anfall. Es ist mir bekannt aus meiner Familie und hegt die besten Erinnerungen an sie, dass wir ab und zu so lachen mussten, dass wir hinterher alle erschöpft waren vom Angriff des Anfalls. Aber diesmal kam noch etwas hinzu. Ich wurde so überwältigt vom Lachen, dass für einen Moment jede Begrenztheit in mir erloschen schien. Mir wurde weiß vor Augen, so als würde ich auf die weiße Leinwand starren, die immer da ist, aber der Film läuft nicht ab. Wenn ich jetzt daran denke, da kommt mir das Wort Totenstille. Das war nicht meine Absicht, dort zu landen, aber was ist schon Absicht. Absicht und Aufsicht, was sind sie. Aber zurück zur machtvollen Wirkung des Humors. Denn kehrt man zurück aus der Leere der Leinwand, kehrt man auch zurück zu den Vorgängen auf ihr. Aber so nebensächlich der Auslöser erst einmal schien, so denke ich jetzt, dass es präziserweise genau diese Worte waren, die die Kraft einer Bombe hatten und für einen Moment, vielleicht einen Nu, alles wegfegten, was im Wege stand. Alles stand im Wege. Stand dem im Wege, was hier Raum haben wollte. Die heftigen Bewegungen der durch Lachen ausgelösten Erschütterungen durchfurchten den Acker der Ansammlungen, und da tat er sich auf, der Landeplatz, um den es ging. „Als Sinn befreit“, das waren die Worte. Sie brachten mich genau da hin, wo alles einmal von jeglichem Sinn befreit war. Jede und jeder buddelt sich den eigenen Pfad zu den Uranekdoten, bis man sieht, dass auch sie noch Erscheinung sind, Filmmaterial und Arbeitsfläche. Und auch wenn man manchmal notlanden muss, so ist es doch erforderlich, sich auf die Notlandung einzulassen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Und welche Ordnung ich hier meine, und von welcher ich gewohnheitsgemäß ausgehe, und in welcher Hinsicht ich mich selbst daran beteilige, das an sich Sinnfreie angemessen zu gestalten. Haben wir eine Wahl?

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