H.M. Schönherr-Mann

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Die Lebenskünstlerin muss im Unterschied zu vielen religiösen Konzeptionen keinen bestimmten Lebensweg gehen. Stattdessen gibt es viele individuelle Lebenswege und Vorstellungen vom guten Leben, auch solche, die sich an einer Gemeinschaft orientieren. Jedenfalls existiert nicht e i n richtiger Weg, nicht ein einziges gemeinsames Gutes, das alle anderen Vorstellungen ausschließt. Die Lebenskünstlerin muss sich ihren Weg selbst suchen, und zwar so experimentell wie differenziert, nicht in Anlehnung an vorgegebene Modelle, die beispielweise das Vaterland, das Volk oder die Gemeinde aufdrängen. Gegenüber deren Wegen – das hat die Geschichte besonders in Deutschland bestätigt – hält man besser eine gewisse Distanz, bieten solche Gemeinschaften dem Individuum selten vertrauenserweckende Lebensformen an, wollen sie dieses ja schließlich von seinen eigenen Interessen abbringen und zu Opfern für die jeweilige Gemeinschaft bewegen – was durchaus auf Resonanz stößt, weil viele Menschen nicht in der Lage oder willens sind, aus ihrem Leben etwas Eigenständiges, ein Kunstwerk zu machen.


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