vergessen

Gut, es ist Montag, die Autobahnen sind voll, die Terminkalender auch, das Wochenende war auch voll. Da löst sich, nur die Himmel wissen wie, und auch die nicht, eine Gestalt aus mir heraus und manifestiert sich als ein vorbeischreitendes Wesen, wilde Tiere umkränzen seine Beflügelung, das Ganze in ausgerichteter Bewegung, das große Schwert in der Hand und das schwer deutbare Emblem auf der Brust. Ich finde es nicht wirklich seltsam, dass das in mir gewohnt hat, nur ist es lange her, dass in den stillsten aller aufrecht gesessenen Stunden ein Schwert zu mir kam mit einer damals durchaus gedeuteten Botschaft: Do not misuse, schwerer in Deutsch zu sagen: Missbrauche es nicht. Jedem/r  Martial Arts KämpferIn wird eine Zeit des Trainings gegönnt, Bogen und Schwert brauchen langjährige Praxis. Hier geht es nicht um die vollendete Tat, sondern um die vollendete Nicht-Tat, die nur durch Praxis gewährleistet ist. In mir hat durchweg außer dem Zug zu Klarheit und Nüchternheit auch eine gewisse Trunkenheit Raum bekommen, jetzt nicht als künstliche Paradiese, sondern eher als mein Beitrag zum Zugeständnis an das Unfassbare. Warum sollte nicht fast automatisch alles, was mich mit Liebe ergriffen hat, ein Teil von mir werden. Auch mit Schrecken, auch mit Trauer, auch mit Mitgefühl. Das, was um das Wesentliche herumkreist und uns an die Bildschirme bringt, und an die Papiere, und an die Leinwände, und an die Instrumente, damit man im hilflosen Entwurf eine Grenze erkennt und weiß, wenn auch selten: das ist zwar auch Schöpferfreude, das muss unbedingt sein, so, als wenn man eine Wahl hätte.  Aber das bleibt immer Kunst, nicht nur, aber meistens. Wir vergessen auch immer wieder, dass uns jemand darauf hingewiesen hat, dass wir Menschen immer noch ein sehr geringes Etwas unseres Potentials aus uns herausgebären, so als könnten wir ohne Geburtsvorgang erkennen, wie das Gebrütete aussieht, bevor es erscheint im Licht der Welt. Was wissen wir davon, was da alles noch lagert, das ist doch keinem verwehrt, in sich zu graben und auf die Minen zu stoßen mit den verschiedenen Edelmetallen. Und sie herausholen und mit ihnen schmieden, was man unter Schönheit oder Dunkelheit oder Betroffenheit undsoweiter versteht.  Gut, es ist lange her, dass durch meine Gärten, Wüsten und Seeen engelhafte Gestalten wanderten, aber warum sollten nicht auch sie mal vorbeikommen und mich an das Schwert erinnern, um das ich mich kümmern soll. Nicht immer weiß man, wie lange die Praxis dauert, und wann es den Übergang gibt zur Essenz des Vorgangs. Die Handhabung der Waffe gut genug zu kennen, um sie mit diesem Bewusstsein zu energetisieren, damit jeglicher Gebrauch davon unnötig wird, ja, jedes Denken darüber. Deshalb erscheinen die Formen und die Formeln, die man versteht.

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