das Zuhause

Die Tatsache, dass ich mich in einer fremden Kultur genauso lange aufgehalten habe wie in meiner eigenen Kultur, war sicherlich hilfreich in meiner langjährigen Ausrichtung, hier eine Synthese herzustellen, von der Definition her philosophisch und alchemisch gesehen. Ich freue mich auch darüber, dass sich zur Zeit das Leben so vieler Menschen in zwei Kulturen abspielt, wenn auch oft notgedrungen und gezwungenermaßen durch die Umstände, sehe aber darin zumindest für manche, die das bewältigen können, eine gute Chance für ihre eigene Entwicklung. Erfährt man Menschen aus anderen Völkern durch die Bereitschaft tiefer, freundschaftlicher Beziehungen als unter gleichen, guten Bedingungen gedeihende Wesen, hat man auch im fremden Land ein Zuhause. Auch die Sache mit dem Visa, mit dessen Beschränkung man z.B. als IndienliebhaberIn oft glaubte, nicht länger bleiben zu können oder am liebsten trotzdem gar nicht mehr gehen zu müssen, das hat sich also geklärt, und Indien ganz sicherlich will, dass ganz viele aus dem Ausland kommen und so lange wie möglich bleiben und ihr Geld da lassen, damit sich der lustvoll mitschwingende Abgrundgedanke, bald in der Weltbeherrschung Hauptrollen-Spieler zu sein, umsetzen kann, denn herrschen ist teuer. So sieht man den Strömungen zu und ist froh, nicht die Kassandra aus sich herauslocken zu müssen, sondern sich auch im Zuhause des Geburtslandes einen Ort mitzugestalten, der es ermöglicht, das Menschsein nicht zu unterschätzen und ihm gebührende Achtung zu schenken und es zu genießen, ohne dass Andere Schaden nehmen. Im Land der eigenen Geburt ist man auch frei, so lange zu bleiben, wie man möchte, und man kann in der eigenen Sprache, wenn man sie liebt, herumwandern wie in einem weiträumigen Garten. Menschen sind da, die man liebt, das hält das sich entwickelnde Menschsein lebendig. Auch ist es durch das Erleben zweier Kulturen eher möglich zu sehen, wie sehr das Weltendrama in seinem Spannungsfeld von Kostümen und Verkleidungen abhängt, die einem die Botschafft offerieren und suggerieren, dass wir alle so anders sind, und in der Tat, wir sind alle so extrem anders, das ist der Stoff zum Staunen, aber wir sind auch viel ähnlicher, als es uns immer so angenehm ist zu verstehen. Vielleicht kann man es auch gar nicht wirklich verstehen, meine Güte, so ein Aufwand an Material, so eine hintergründig und abgründige und vordergründige Inszenierung, grandios in ihrer scheinbaren Unübersichtlichkeit, die dennoch die Reize und Abenteuer der Durchdringung anbietet. Der Spannungsbogen zwischen dem Orient und dem Okzident ist nur eines der Angebote, mit fremdartigen und oft bedrohlich wirkenden Dingen in eine Nähe und Vertrautheit zu kommen, sodass der Schatten, der gleichermaßen von Distanz und Distanzlosigkeit ausgeht, von einem weichen kann.

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