Fenster

 

Da ich mich gerade u.a. als interessierte Zeugin der Vorführungen des laufenden amerikanischen Politthrillers erfahre, hat meine Bereitschaft zum Staunen Nahrung bekommen aus unerwarteter Ecke. Unerhört ist das Ausmaß dieser Komödie, die Dante wohl deshalb die ‚göttliche‘ nannte, weil einen die Fassungslosigkeit immer mal wieder anrührt. Da kann ein vom Volk auf zweifelhafte Weise gewählter Präsident gnadenlos lügen und eine derart peinliche Menschlichkeit vorführen und öffentlich zu jeder Schandtat bereit sein, denn zumindest bis jetzt konnte er sich auf die Dummheitsresonanz bestimmter Menschen verlassen, die in ihm den tollen Hecht sehen, der sie selber gerne wären. Aber siehe da, verkörperte Intelligenz wird auf den Plan gerufen, wodurch ein Zweifel sich einzuschleichen vermag über die lahme Weigerung des Hinterfragens. Was dieser Mann angerichtet hat, kann auch Biden nicht richten. Da wird es  viel auszuhalten geben, wenn der erste Schritt erstmal getan ist. Erstaunlich ist aber auch, dass man förmlich zuschauen kann, wie dem narzisstischen Commander die Felle wegschwimmen, denn schlechte Nachricht häuft sich derart  für ihn und um ihn herum, dass man sich nun einiges Unerwartete vorstellen kann. Zwei abwertende Worte soll er über gefallene Soldaten gesagt haben, und die Medien sind am Galoppieren. Der Vater eines gefallenen Soldaten sagt, dass die Worte, die wir sagen, Fenster sind zu unserer Seele, wohl wahr. Doch wenn wir keine Worte haben, können wir nicht sichtbar werden. Wenn man sichtbar wird, wächst die Verantwortung für die Handhabung des Geschehens, in dem man sich bewegt. Es hilft weder, Wirkung haben zu wollen, noch, Wirkung zu leugnen. Und wie schnell sich zur Zeit Menschen versammeln können, und blitzschnell können die Dinge umschlagen. Nicht, dass man sich jemals den Gehalt des Gehirnes eines Anderen vorstellen konnte, man hing ja wie heute von den freiwilligen Beiträgen der Sprechenden ab. Eben, wenn sie ihr (nennen wir’s mal so) ‚Seelenfesnster‘ öffnen und man einen kleinen Einblick gewinnt in das individuell gestaltete Universum des Gegenübers (der Gegenüberin). Aber wie oft findet das statt, das Öffnen der Monadenfenster? Und die Freiheit, die jedem zugängig ist an dieser Drehtür zwischen drinnen und draußen. Und heute ist Samstag. Am Rande der Wüste wird dem Gott Shani gehuldigt. Dunkel ist er und fliegt auf einem schwarzen Tier. Da, wo er herrscht, haben alle Angst, deswegen wird nichts aus den Handtaschen gestohlen, aus Angst. Auch bei Tönnies hat sich nicht viel getan, hier erkennt sich das Staunen als sinnlos. Wer schaut schon nach, ob der Schimmel sich immer noch an den Wänden der ausländischen Arbeiter befindet, und wie traumatisiert ihre Wesen sind von der nimmer endenden Grausamkeit der Tötungsprozesse, denn wir wissen es doch, wie es diesen Tieren geht, wenn in ihren Peinigern jedes Quäntchen Menschlichkeit durch Stumpfheit ersetzt werden muss, damit einer Milliardär werden kann und andere Billigfleisch kaufen können. So schaut der Blick hinaus und hinein auf die vorhandenen Bühnen, und überall und in jedem Stück zeigt sich das Sosein des Menschen. Als wer er oder sie auftritt und was er oder sie mit dem Vorgefundenen machen. Man kann der Komplexität nicht gerecht werden. Zum Ausgleich hat sie die Einfachheit.

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