immerhin (?)

Direkt neben den rasanten Entwicklungen, die derzeit auf verschiedenen Ebenen vorangetrieben werden (Impfstoff, G5 undsoweiter), gibt es auch einen gewissen Ermüdungsstrang, der als Quelle nicht nur die Erhitzung der Luft hat, obwohl man merkt, wie es auch da zuweilen unmutig knistert und man aufpassen muss, dass man keinem unrecht tut, was immer das heißen mag, das Unrechttun, von jede/r/m ja auch unterschiedlich gedacht. Dann die Maskenpflicht und die gesetzlich verankerten Strafmaßnahmen, die immer wieder verdeutlichen sollen und auch verdeutlichen, dass dem Menschen als Spezies und als jeweilige Gesellschaftsmasse nicht zugetraut wird, eine den Tatsachen entsprechende Haltung einzunehmen, die den Zerstörungsdrang wenigstens eindämmt. Und ja, es war eine Art lustiger Satz, den ich heute früh gehört habe, dass nicht nur die Hoffnung zuletzt stirbt, sondern dass das auch dem Hoffnungsträger blühen kann. Es hat schon den faden Geschmack einer bitteren Pille, wenn man sich im potentiellen Wahlkreis der Kanzler-Kanditaten-Männer dann vielleicht doch einen bayerischen Söder lieber vorstellen möchte als einen urlangweiligen Olaf Scholz, alle um den verblichenen Glamour der Heimtreue bemüht, während erwachte Generationen an ihnen vorübereilen. Und man muss sagen, oder es nochmal sagen, dass die Ära Merkel einen historischen Glanz hinterlassen wird, wo wir uns alle, und das jahrelang, zumindest einigermaßen wohlfühlen konnten. Denn am politischen Steuerrad saß eine Frau, die jeder Kritik standhielt, weil man wusste, sie tut zumindest ihr Bestes. Mehr kann und darf man von keinem Menschen verlangen, wenn es überhaupt möglich ist, über das Bestmögliche hinauszuschießen, und in welche Richtung das gehen würde. Sind oben an der Spitze die Dinge so weit wie eben möglich im Lot, können Bürger und Bürgerin sich der eigenen Entwicklung widmen, und auch in diesem Pulk (das Wir als Pulk) sterben zuweilen die HoffnungsträgerInnen. Manchmal leben die Hoffnungsträgerinnen ein bisschen länger, weil man (wer ist nun dieses ‚man‘?) das als das selbstverständlich Deklarierte auf die angeblich schmaleren Schultern abwirft: eben n o c h besser sein zu müssen im Spiel als die männlichen Protagonisten. Ach ja, so extrem ermüdend ist jedes überflüssige Wörtlein, das sich andocken möchte an die Genderfrage. Denn da ist eben auch nebst allen Ermüdungserscheinungen eine geradezu unheimliche Gerechtigkeit hinter den Entwicklungsbahnen, nein, um Himmels Willen nicht der Herr persönlich, nein, sondern ein eher ent (oder er)-mutigendes Wissen um die Präzision der von allen anwesenden PlanetarierInnen erzeugten Gedankenmuster, die im besten Fall zu berührenden oder aufwühlenden Geschichten führen, die wiederum zu vielem anderem führen. Noch ist der Morgen der Welt voller Frische, beziehungsweise der deutsche Morgen ist noch voller Frische, möchte man denken, wissend, wie erdrückend  alles Weitere schon ist oder noch werden kann, wenn man dem Gewussten nichts Kreatives entgegensteuert. Um zum blassroten Faden zurückzukehren, so war es schon schade, dass die Merkel-Vertraute sich eindeutig als ungeeignet für diesen leer werdenden Sessel erwies. Man möchte meinen, dass geeignete Frauen sich vorstellen würden für den Posten, dann lässt man auch das Meinen sein. Die Mächtigkeit von Angela Merkel bestand ja gerade nicht aus männlichen Wesenszügen, sondern sie konnte aus ihrem eigenen Wesen und der gut ausgestatteten Intelligenz und dem wohltuenden Mangel an Eitelkeit den regierenden Herren der Welt mühelos paroli bieten und den Stürmen bemerkenswert gut standhalten durch immer wieder aufs Neue sich gebärende Glaubwürdigkeit. Das kann einen schon mal zutiefst erfreuen, dass man so einen Grad weiblicher Führungskraft immerhin eine Zeitlang erleben durfte.

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