simpel

Es kamen ja dann Nachrichten und gutgemeinte Ratschläge von Freunden, man solle Delhi lieber meiden, weil es dort Gerüchte gebe, dass neue Unruhen ausbrechen könnten, keiner wusste mal wieder nichts Genaues. Interessant, wenn man dann entscheiden muss. Das läuft ja gerade im Zwiegespann mit dem Corona Virus, auch bei Freunden im Dorf lagen bereits ganze Boxen mit Gesichtsmasken herum, jetzt schon die mit dem speziellen Ein-und Asatmungsteil vorne wie bei einer Gasmaske. Ich besitze nur die einfache Form und merke mir eher die überall durchgesagten Simplizitäten: Hände waschen und nicht mit den Fingern ins Gesicht fassen wegen der Selbstansteckung. Das finde ich als Aufmerksamkeitsübung praktisch, weil man ja merkt, wie häufig man sich selbst ins Gesicht fasst, oder schneuzt oder schminkt usw. Vor der Abfahrt mit dem Nachtbus musste ich noch ein Paar Schuhe zurücklassen, die einzigen, die mir bequem vorkamen, aber die Sohle hatte sich gespalten, das war nicht mehr tragbar. Im Bus selbst hatte ich eine der starken  Baumwolldecken mitgenommen aus der uns heutzutage ungetrübt vorkommenden Baumwollzeit, die ich dann auch am Morgen verabschiedete und im Abteil ließ, aber der Luxus der guten Decke hat sich tatsächlich gelohnt zur Aufhellung des dunklen Nachtlagers. Ich bin also in Delhi angekommen und auf dem Weg in mein Hotelzimmer habe ich kurz in der Zeitung, die in der Halle ausliegt, gelesen, dass Indien alle Einreisenden  auf den Virus testet wegen der rasanten Verbreitung. Ich würde mal sagen, dass jeder Zehnte schon eine Maske trägt, oft in weißer Farbe, aber man sieht auch ganze Reisegruppen mit schwarzem Mundschutz, man denkt an den eigenen und ob man das Ding tatsächlich mal tragen wird. Wer gehört zu den Vorsichtigen und wer zu den Übermütigen, die sich nun öffentlich den lauernden Gefahren aussetzen? Ich kann nicht behaupten, dass sich in mir eine Unruhe regt. Ich habe die Nachtfahrt schon hinter mich gebracht, dann den Kampf um die Riksha um fünf Uhr morgens noch im Dunkeln, wo doch jeder weiß, dass eine Frau allein in Delhi nicht im Dunkeln rikshafahrend unterwegs sein sollte. Weil es dunkel ist, murmle ich in meine Handfläche ein paar Smartphoneworte von wegen ‚Riksha‘ und ‚Hotel‘, aber der Fahrer findet es nur auch sehr kalt und rollt mir den Seitenschutz runter und bringt mich schnurstracks in das vorgebuchte Schutzdepot. Überall freundliche Menschen, man kann nicht klagen. Ob sich in dieser verhältnismäßigen Ruhe in rastlosen Gehirnen etwas Ungutes zusammenbraut, wir wissen es nicht. Man kann nur immer dem vertrauen, zu was man gerade in der Lage ist einzzuschätzen, nicht unterzuschätzen, aber auch nicht überschätzen. Seit ich in den letzten drei Jahren hier übernachte, gehe ich in ein in der Nähe gelegenes Cafe, das uns Traveller willkommen heißt und d a s auf der Karte hat, was man sich vorstellen kann zu essen. Toasted brown bread mit butter, und guten, starken Neskaffe etc. Man sitzt leicht betäubt vom Erlebten und starrt auf den brummenden Bazaar, wo so ziemlich alles erlaubt ist, was rollt und Dreck ausspuckt. Man ist irgendwie froh, am Leben zu sein und hat zum Glück nicht viel zu tun, als  innen sich langsam alles setteln lassen, wo es hingehört, das eine zum Weizen, das andere zum Köpfchen. Und schön, dass es die Maschinen gibt, unsere lieben Freunde. Wie wären wir ohne sie drauf. Undenkbar!

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