Das Trotzdem

 

Eines der Worte, an das ich mich aus dem Wortschatz meiner Mutter erinnere (aus der Muttersprache) ist ’nihilotrotzquam‘, von dem wir durch das beigefügte Lächeln wussten, dass es nicht ganz ernst gemeint, vielleicht sogar gar kein richtiges, aber doch ein lebensunterstützendes Wort war. Diese verborgene Weisheit darin habe ich immer mal wieder mit demselben Lächeln weitergegeben, sozusagen als Erbwort, das mir zusagte. Das „Nichtsdestotrotz“ kann in der Tat eine hilfreiche Funktion ausüben, wenn man zum Beispiel auf etwas Begrenzendes stößt und trotzdem einen Weg finden muss, um weiter zu gehen, was ja dazu passt, dass ein Wort wie nihilotrotzquam als ‚Kofferwort‘ bezeichnet wird. Man steckt also das eine Wort in das andere und lässt es in den Sprachgebrauch einwandern, für edle, überlebende Lateiner natürlich eine Verballhornung des reinen Sprachflusses. Nihilotrotzquam spornt an, wenn es einem dämmert, dass der Winter naht und man sich an die Wintergarderobe herangrübeln muss. Auch wissen die meisten Menschen, die Indien nicht kennen, natürlich nicht, dass es da auch ganz schön eisig werden kann, und nihilotrotzquam ist man immer wieder bereit, da durchzugehen. Außerdem kann ich mich auf die Inder verlassen, die an einem bestimmten Tag, wenn alle Socken tragen, verwundert auf meine nachzüglerischen Füße schauen und sich erkundigen, wo meine Socken sind, da doch alle jetzt Socken tragen. Oder man öffnet das Smartphone und will schnell was googeln, da liest man, weil man ja in sich selbst noch Restposten dumpfer Anteile lagern hat, schnell was Neues über Donald Trump, und zwar den inzwischen sicherlich berühmt gewordenen Satz, dass er, Trump,  Aussage machte über seine‘ großartige und unvergleichliche Weisheit‘, und man da vielleicht mal auf einer Buschtrommel eine große Ohnmacht dem Unbegreiflichen gegenüber hinaustrommeln wollen können möchte, vorzugsweise direkt in Donalds Ohr, aber man hat ja dazugelernt, und kann jetzt z.B. „nichtsdestotrotz“ zu sich sagen, denn zum Glück ist man (noch) auf dem eigenen, verhältnismäßig freien Pfad ins persönlich Kontemplierte und dem daraus resultierenden Tun. Auch wenn in einem anderen Strang des politischen Wesens das Herz für die Kurden schlägt. Auch hier herrscht ein Nihilotrotzquam, bei dem einen niemand aufhalten kann, nämlich dabei, was man ganz leise in sich und für sich, und in dieser typischen Einsamkeit bald irgendwohin Reisender, in seinen oder vielmehr meinen Koffer tue, und obwohl es hier gerade so wohltuend ist und mein Sein Bereitschaft zeigt, sich einzunisten, muss ich mich nichtsdestrotrotz bald auf Wanderschaft begeben, denn dort rührt sich eine andere Hälfte meines Lebens, die mich ebenso mit einem lateinischen Spruch begleitete, nämlich ‚Ex oriente lux“. Dass das Licht aus dem Osten kommt, kann insofern noch stimmen, dass dort nach wie vor mehr Sonnenlicht herrscht, das aber nichtsdestrotrotz auch beleuchtet, dass die Dunkelheit überall ihre Tore finden und sich unbemerkt vernetzen kann. Trotz alledem kann man den Geist bemühen, selbst im miesesten Regen eine gewisse Taufrische zu erkennen, Indra, der Wettergott, ist busy, oder was soll’s, man kann einfach so vieles nicht ändern, und trotzdem bleibt man dran an der Arbeit. Arbeit/Arbeit/Arbeit! (Ich spreche das innerlich mit der Stimme von Hape Kerkeling).

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