simple

Wenn man so einen Satz wie zum Beispiel „Simple living, high thinking“ aus der Schatzkiste menschlicher Weisheiten (und Verhaltensweisen) wirklich in sich hinein hineinversinken läßt, weil er einem einleuchtet, navigiert man früher oder später in eine Bredouille hinein. wo man sich fragen kann und immer mal wieder tut, ob man das Einleuchtende eigentlich  so gut verinnerlicht hat, dass es eine praktische Umsetzung ermöglicht. Ich dachte eine ganzr Weile mal, dass Erkenntnisse, wenn als solche vom eigenen System registriert, ihre eigenen Wege suchen, die ich ihnen vertrauensvoll überlassen kann. Aber die konstante Mitwirkung und vor sich hinreifende Reflektion sind unerlässlich. Was heißt überhaupt „simple living, ganz abgesehen mal von „high thinking“. Oder kann man die beiden gar nicht getrennt sehen, geht es einem um das Ergebnis einer guten Lebensweise. Ein sehr kluger, indischer Kopf erklärte mir vor vielen Jahren einmal die in Indien geschätzte „Meisterschaft“ jeglicher Richtung mit einer schlichten Behausung und wohltuender Nahrung und dem Reichtum des geistigen Raumes, in dem für den Körper ein Nagel in der Wand befestigt ist für die paar Klamotten, die der Mensch so braucht. Auch das Klima ermöglicht so manche Vereinfachungen, und die Zeit hoch angelegter Askesen ist eh, zum Glück, vorbei. Das erspart nicht das zeitgemäße Verständnis einer solchen Weisheit, die von Natur aus beweglich, aber auch unverrückbar ist in ihrer Klarheit. Auch hat der Druck, der bei der Diamanzenverarbeitung notwendig ist, uns gelehrt, dass Druck auch etwas in neue Bahnen lenken kann, wenn man den Angeboten der Zeit gegenüber offen bleibt. So bleibt es weise, den laufenden Überforderungen, mit denen wir auf die eine oder andere Weise konfrontiert sind, einen stillen und einfachen Raum entgegen zu setzen, indem ich ihn zulasse oder auch erschaffe. In einem bewussten Nicht-Tun machen sich oft die Dinge bemerkbar, die Aufmerksamkeit benötigen. Die Behälter mit den Ansammlungen, was war das doch noch? Noch eine Pandora Box, am besten gar nicht öffnen, aber dann doch. Ach das! Das muss ich mir noch einmal genauer anschauen, fragt sich nur wann. Ein paar Jahre lang in Indien hatte ich, beherbergt durch ein Tempelgehäuse, nur ein paar Dinge, die ich auch heute noch als lebensnotwendig empfinde. Damals war es ein chniesischer Seidenteppich, eine Klangschale zum essen und trinken, zwei Kleidersets, schnell in der Sonne trocknend. Am aufwendigsten zu beschaffen waren Papier, Tinte für meinen Rapidographen, und ordentliches Make-up, extrem reduziert auf das Notwendigste. Die Anhänglichkeit an meinen Stift, überhaupt an Papier, hätte mich selbst damals in einer Eremiten-Anekdote durchfallen lassen. In der Zwischenzeit betrachte ich es als gesund, zum eigenen Wohlbefinden und Zeug zu stehen. Wenn nicht „simple living, high thinking“ immer noch so überzeugend wäre. Auch wenn es heute nur heißt, sich von dem zu lösen, von dem man weiß, dass man es nicht mehr braucht, oder ganz sicher nicht mehr liest, und wo man schon lange nicht mehr hingeschaut hat und nun überrascht ist von dem eigenen Schlummer-Blick so manchem gegenüber, was den eigenen Verwandlungen so gar nicht mehr entspricht. Die alten Briefe, die Zeitungsartikel aus Ost und West, das unüberschaubare Sockenfach. Das, was ein gut gelebtes Leben durchaus überdauern soll, und das, was es nicht unbedingt muss.

 


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