Kriegsgelüste

Seltsam, sich (mich) in einem Land aufzuhalten, dessen Bevölkerung  gerade Kriegsgespräche führt, die nicht viel von hoher Diplomatie ahnen lassen, sondern eher begleitet vom Druck, endlich ein anderes Land auszulöschen, das vielen ein Dorn im Auge war und ist, nämlich Pakistan. Die „bösen“ Pakistanis. In einer befreundeten Familie treffe ich einen der Brüder, der mir erklärt, sie bräuchten jetzt Krieg, das Maß sei voll. Ich versuche zu scherzen und drücke meine Hoffnung aus, noch rechtzeitig aus dem Land zu kommen, bevor das, was er sich erträumt, losgeht. Oh, keine Sorge, sagt er, das dauert keine fünf Minuten, dann gibt es kein Pakistan mehr. Eine Bomben-Lösung also, die mich fassungslos zurücklässt. Es nagt an mir, und so gehe ich heute früh zurück. Er ist gerade aufgestanden und wäscht seine Hände. Hast du schon mal dran gedacht, dass bei deiner „Lösung“ eine Menge Frauen und Kinder sterben werden?, frage ich. Natürlich werden auch eine Menge Männer sterben, vor allem auch welche, die alles andere wollen als ausgelöscht werden von einer weiteren Zusammenballung des kollektiven Wahnsinns, so als hätte man die Folgen davon nicht schon gnügend beobachten dürfen. Es zeigt doch vor allem die Hilflosigkeit und den Unwillen einiger Menschen, um nicht Männer zu sagen, sich ernsthaft mit den seit Jahren brodelnden Spannungen auseinander zu setzen. Mit den Religionen vor allem und ihren unverrückbaren Gesetzen etc., aber ach!, schon breitet sich eine Komplexität aus wie ein Fächerwerk aus Spinnweben, immer wieder neu geflickt, immer wieder neu erfunden, immer wieder neu in die Irrgärten des menschlichen Geistes getrieben. Das Komplexe, das nicht nach Klarheit verlangt, sondern eine Anhäufung wird von politischen Druckmitteln, wo es um Macht geht und nicht um Menschenleben. Die Vorstellung, dass gerade Indien, das Land, wo wir alle hingepilgert sind wegen seiner archaischen  bzw. anarchischen Gelassenheit, dass gerade dieses Indien mit der langen Liste der Friedenswilligen- und kämpfer, wenn auch auf seltsame Arten und Weisen, dass diese Hindus also tatsächlich bereit wären, einen Krieg zu führen, das ist schon einen Gedanken wert. Es gab schon einmal einen Krieg zwischen Indien und Pakistan, er dauerte zum Glück nur 5 Tage. Ich saß im Goldenen Tempel von Amritsar, wo ein blinder Mann schöne Lieder sang, und das Gold des Tempeldaches war wegen des Vollmondes verhangen mit Sackleinen. Ich war entspannt damals und dachte na ja, wenn’s denn jetzt sein soll, dann wenigstens am Wasser der Unsterblichkeit sitzend in Begleitung der schönen Sängerstimme. Jetzt will ich nicht von so einer grenzenlosen Dummheit einiger Weniger mir mein kostbares Schicksal kürzen lassen, aber aufgeregt bin ich jetzt auch nicht. Besser, es gab Alarmbereitschaft auf den Flughäfen, dann sind wenigstens nicht alle beim Teetrinken oder ein bisschen eingenickt, wie man es dort unter Dienstleistern oft beobachten kann. Aber auch wach: was sollen sie machen, und was sollen w i r machen, die wir danach dann mit Air India über Pakistan fliegen. Das Wort „Shanti“, Frieden, war eines der beliebtesten Worte der Inder. Sie waren stolz auf ihr Shanti-Sein, und es gibt auch noch viele, die beunruhigt auf das Nicht-Shanti-Sein schauen, so als hätte es sich eingeschlichen als ein Virus, der auch gerne mal mit westlichem Einfluss verbunden wird. Eine Krankheit, die man nicht wollte, die aber jetzt da ist, weil man selber ein Nutznießer davon wurde. So spielen Macht und Geld im Kinderzimmer des Menschseins weiterhin eine große Rolle. Jetzt sitzen schon Sechsjährige da und jauchzen erfreut auf, wenn sie in ihrem Spiel auf dem Smartphone des Vaters einen Menschen umgelegt haben, wie ich beim Butter-Einkauf beobachten konnte.
Das ist ein Nachtrag: war gerade draußen und habe gehört, dass Indien heute früh um 3 Uhr Ziele in Pakistan gebombt hat…Stolze Gesichter. Ich bin erschrocken.

Das Bild oben war ein termitenzerfressenes Teil, das ich unterwegs  wegen der schönen blauen Krone mitgenommen habe und es mit meinem Indigo etwas neu gestalten wollte. Es blieb aber dunkel und passt ganz gut zu den verhangenen Gefühlen, die den Islam umkreisen.

 


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