bhakti

Dieses ‚Bhakti‘, wie die Hingabe an einen persönlichen Gott (Ishtadevata) in Indien heißt, kann auch einem unfrommen Menschen wie mir durchaus das Herz berühren, wenn auch nur für kurze Momente. So wollte ich heute (sehr) früh mal in den Himmel schauen nach wilden und windigen Tagen, da fiel mein Blick auf einen Mann, der auf dem leeren Platz vor einem Tempeleingang die Schuhe auszog und auf die Kniee fiel und mit seiner Stirn minutenlang den Boden berührte. Das Bild strahlte so eine Innigkeit und Bescheidenheit aus, das hat etwas Berührendes, zumindest für mich als Beobachterin einer inneren Haltung, die durch nichts zu ersetzen möglich scheint als das Verhältnis ‚kleiner Mensch zu großem Gott‘, warum ich es auch nicht förderlich finde. Es gibt offensichtlich einen Halt, wo sonst keiner ist, so, als könnten Menschen untereinander diesen Halt nicht geben und finden, und das ist, was mich persönlich mehr bewegt als alle Ishtadevtas der Welt. Eigentlich sind die Devtas gar nicht als Götter gemeint, sondern werden auf einer anderen Ebene des indischen Denkens als Aspekte des menschlichen Wesens gesehen, also als das, was der Mensch selbst über bestimmte Wege erreichen kann, wenn es denn gewünscht ist. Offensichtlich gibt es auch unter Westlern einen unersättlichen Hunger nach Gottesanbetung, und in untereinander erschaffenen Kreisen werden die indischen Götter besungen, Om Namo Shivaya, Hare Krishna, Hare Ram. Nun müsste man natürlich zustimmen, dass so ein gemeinsamer Gesang an die jeweiligen Götter gerichter nicht wirklich jemandem schadet, und es ist sicherlich gesünder als in einem Video-Game menschliche Figuren zu jagen und zu erschießen, wie es die indische Jugend gerade liebt, aber bei beiden Tätigkeiten kann man nicht wirklich von einem Erwachen reden. Beides ist ein Hineinschlummern in eine ‚virtuelle‘ Welt, wobei der Begriff für beides gut taugt, einmal als ‚virtue‘, also Tugend, und dann als virtuelle Geisterbahn, wo real Vorhandenes vermieden werden muss, will man das erwünschte Gefühl erzeugen und erhalten. Die Handhabung des Ichs (Ego) ist keine kleine Sache. Wie kann ein Ich vergehen wollen, wenn es doch voll ist von sich, vor allem vom Gutsein und Guttun voll, da fehlt mir persönlich die Liebe für die dunklen Strähnen im Gewebe des Seins, ohne die das Licht nur eine flache Ebene anbieten kann, in dem selbst das OM, gerne der Ursound genannt, sich verliert im Bedeutungslosen. Es ist doch der Mensch, der seine Begrenzungen durchbrechen kann und unser Bewusstsein kann sich in jegliche Richtung erweitern. Und der Geist, der ein Gespür hat für die eigene Freiheit, kann die Flügel ausbreiten und sich den Kräften und Fähigkeiten zuwenden, die dem individuellen Wesen entsprechen. Und dann kann, o pausenloses Mysterium des Seins, das Sebst sich erkennen und sich (zum Beispiel) unterscheiden lernen vom Ich.

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