dankbar

Indien ist berühmt dafür, dass alle Augen alles anschauen, was vorüberzieht, was nicht bedeutet, dass etwas gesehen wird, wie es ist, sondern die global verbreitete Gewohnheit ist ja, dass man die Dinge aus der eigenen Welt sieht, wobei das Resultat von der Schulung des Auges abhängt. Aber auch ein Resultat muss es ja gar nicht geben. Wenn ich irgendwo mit einer Idee in die Stadt gehe und nach ihrer Umsetzung suche, interessiert mich das Phänomen des grenzenlosen Einkaufs nicht, sondern ich verfolge ein bestimmtes Ziel. Als ich gestern  nach oben schaute in die Wolkenbildung, hat mich dieses Gesicht angesehen, das auch nicht jeder sehen muss. Ich dagegen liebe solche Bilder, weil sie mir zeigen, wie Götter zustande kamen. Man wollte sie, man wollte gesehen werden, wenigstens von diesem einen Auge. Und dieses eine Auge kann einen wirklich überall anschauen, im Mauerriss, in der Tapete, im Wasser, im Feuer, in den Zweigen, aus den Tieren, aus den Menschen. Vielleicht reicht da was nicht, oder reicht es nicht mehr. Wenn zu viel göttergehimmelt wird, beginnt irgend etwas, gefährlich zu werden, und manche Gehirne sehen, wie leicht es ist, Schafherden zu erschaffen, weil Menschen verlernt haben, ihrem eigenen Blick zu trauen. Oder lernen wir es erst jetzt? Vielleicht stimmt es ja, dass das Erwachen des Bewusstseins einfach ein Teil dieser Zeit ist, der Kosmos sozusagen zu sich selbst erwachend, als hätte was geschlafen wie ein großes, in unbewussten Gewässern schwimmendes Ei/I/Eye. Ein Ich, ein Ego, das sich als sich selbst erkennt und dadurch erst erwacht zu sich selbst. Erst verschwindet das Komplizierte, und das Komplexe gewinnt an Reiz, bis auch der verblasst. Man erfreut sich zum Beispiel an wohlschmeckenden Erbsen oder am großen Wasauchimmer, da das Lebendige tatsächlich überall mitspielt. Man darf nicht vergessen, wir sind hier auf Myrtlok, dem Planet der Toten. (Und der Tod: Schlafes Bruder. Das fällt doch auf, wenn erwacht wird!) Wie ein Traumgebilde schiebt sich das gemeinsame Wesen lange und unbeirrt durch die vage vermutete Realität, in der wir uns jeweils befinden, und die akzeptierte Norm wurde irgendwie abgenickt, damit sie stattfinden kann. So, wie in der Psyche die Wahrnehmung vorhandener Dunkelheiten aufrütteln und im Auge ein Licht erschaffen kann, um es zu beleuchten, so kann das ungehemmte Spiel von verwegener Ignoranz, dem man begegnet in bestimmten Zeiten der Weltpolitik, den Einzelnen aufrütteln, sodass eine angenehme Ausgleichung entsteht, die einerseits die Freude an der eigenen Sicht ermöglicht, und andrerseits die Dinge und Wesen sein lassen kann als das, was sie gewählt haben zu sein. Und dann d a s: wie alles einfach i s t. Heute war ein schöner Spruch vom Buddha in der „Times“, und zwar sagt er ( in meiner Übersetzung (des Übersetzers)), man soll dankbar sein, denn auch wenn man heute nicht viel gelernt hat, so hat man doch ein bisschen was gelernt. Und wenn man kein bisschen was gelernt hat, ist man wenigstens nicht krank geworden. Und ist man krank geworden, so ist man zumindest nicht gestorben, deswegen dankbar sein.

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