verbunden (?)

Obwohl die Worte „nothing new“ einen Wahrheitskern enthalten, auch das allerdings nur in gewissen Kontexten, so sind auf jeden Fall auffallend viele neue Möglichkeiten entstanden, in Verbindung zu kommen, die von uns allen weidlich genutzt werden, wenn auch nicht immer gleichermaßen zwanghaft. Vermutlich haben die krankhaften Merkmale in der Beschäftigung mit Verbindungstechniken damit zu tun, dass Menschen nun das Gefühl erzeugen können, durch die von ihnen in Bewegung gebrachte Verbindung Zugang zu einer bestimmten Macht zu haben, die ohne die Instrumentarien niemal möglich gewesen wäre. Es ist die Macht der verbindenden Kommunikation. Ich habe das jetzt ein paar Mal erlebt, dass Freunde oder Bekannte mir unentwegt etwas zukommen lassen, das mit absolut nichts in mir resoniert, wohl aber ganz offenkundig dem oder der Sendenden ein Gefühl des Gebens vermittelt, also des Etwas-von-sich-Gebens, was ja an sich eine willkommene Geste ist. Driftet aber Senden und Empfangen sehr weit auseinander, kann man wiederum auf verschiedene Weisen damit umgehen. Allerdings weiß man nun, dass man gar nicht in Verbindung ist und kann alles einfach weiterlaufen lassen, wie es möchte, denn man ist gar nicht gemeint, sondern dient lediglich als Feld, das man beposten kann und sich dadurch das illusionäre Geschenk machen, in Verbindung zu sein. Ein paar Mal habe ich mich schon bemüht, diese Problematik ins Gespräch zu bringen, aber zuerst muss ich mich vergewissern, ob das überhaupt geht, und vor allem  muss ich herausfinden, worum es mir geht. Lange genug habe ich es als eine Selbstverständlichkeit angesehen, dass wir vom Anfang unseres Lebens an mit uns selbst verbunden sind, denn ohne uns selbst gibt es ja nur Fremdbestimmung. Das heißt, ich leite meine Weltwahrnehmung ausschließlich von äußeren Eindrücken und Erscheinungen ab und kenne gar nicht das Gefühl, einen einzigartigen Blickwinkel zu besitzen, der aus meiner höchstpersönlichen Wahrnehmung besteht, die wiederum in meiner Kindheit ermutigt und unterstützt und gestärkt wurde. Jemand hatte Interesse daran, was für ein Mensch ich bin. Auch die sogenannte Mutterliebe kann ein gigantischer Klotz am Bein des Kindes werden, wenn diese Neugier auf das geborene Wesen fehlt, das sich den Muttergelüsten beugen muss, oder der Mutterkälte, oder den Mutterkonflikten. Die Einsamkeit an sich zu kennen kann ja sehr schöpferisch sein, aber auch dazu braucht es gewisse Anlagen, und wenn zu viel an einem Kind herumgebastelt wurde, verliert es den Zugang zu sich. Was wir aber nicht verlieren, ist die Sehnsucht nach uns selbst, und jede Entscheidung hat bewusst oder unbewusst mit dieser Richtung zu tun. Spannend ist und bleibt, dass es keine Garantie gibt für irgendwen, dass dieses „Ziel“, das man ja selbst ist, überhaupt erreicht werden kann. In Hindi gibt es den Begriff „Planet der Toten“ als eine der Bezeichnungen der Erde, weil, wie man mir damals erklärte, hier nicht klar wäre, wer lebendig ist und wer tot. Sollte das Sein sich zeigen als die  Sphäre der Liebe an sich, also das Sein die Liebe i s t, dann lässt sich einiges besser verstehen. Auch Liebe erschrickt, wenn an den Meeresküsten mal tote Menschen, mal ölverschmierte Tiere angeschwemmt werden. So hilflos kann sie aussehen, die Liebe, in ihrer Macht, denn auch sie kann es nicht ändern, was dem Wesen des Ganzen angetan wird. Manchmal muss es genügen, sich selbst nicht zu beteiligen an den schädlichen und schändlichen Handlungen, und zu wissen, dass Rückzug nicht immer Fluchtweg bedeutet.

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