dankbar

Es ist kein Geheimnis, dass man sich bei einem Nachrichtenwiederholungsmarathon ganz schön langweilen kann, vor allem, wenn einen vieles weder berührt noch betrifft. Ich empfinde das in letzter Zeit vor allem in deutschen Nachrichten, wenn es bei neuen gesetzlichen Vorschriften doch innen ein wenig ruckt und zuckt. Dann womöglich noch kurz daran erinnert werden, wer wohl der nächste Kanzler sein würden könnte, ist doch leider keine neue Kanzlerin in Sicht, aber gut, das hat noch Zeit. Auf den amerikanischen Kanälen kann man wenigstens mal zum Comedy Entertainer rüberswitchen. Das hat alles der Algorithmus für mich eingerichtet, soll ich dem jetzt danken, wo doch Danksagungstag ist und die Amerikaner schlafen noch in ihren höchsten Feiertag hinein, bevor sie dann später die Millionen von toten Truthähnen aus den Bratröhren holen. Dabei habe ich vernommen, dass der Präsident von Amerika traditionell einen Truthahn begnadigt hat zum Thanksgiving Day, der soll wohl dafür danken, dass er leben darf. Schöne Tiere, das muss man ihnen lassen. Wenn Trump vor einigen Tagen, bevor die Massenschlachterei begann, alle Truthähne begnadigt hätte, da hätten ihn alle noch weniger vergessen, nur die Truthähne selbst hätten von dieser Rufsaufmöbelung gar nichts gewusst, sie hätten einfach weitergelebt. Wie dem auch sei, so ist es auch so, dass ich den Donnerstag schon immer sehr mochte und zur Danksagung ganz vorzüglich geeignet finde, denn zum Glanz des Donnerstages gehört (m)eine Tradition, am Mittwoch die bewohnten Räumlichkeiten zu entstauben, was den Vorteil hat, dass man dann weiß, wann man entstaubt. So wirkt es auch bei mir hier am Donnerstag, ich weiß, das ist sehr persönlich, aber warum nicht. Die Danksagung, auf die ich mich zu konzentrieren beginne, fällt mir nicht schwer. Es ist eher so, dass die Dankeswellen, die in mir aufsteigen, bereits über mich hinausströmen. Ich denke, diese Strömungen kommen aus meinem innersten Wesenskern, der mich kennt als jemanden, die dankbar war und ist für die Möglichkeit einer Teilnahme an diesem Abenteuer, Leben genannt. Mein Leben. Was und wer auch immer in der Anfangszeit mich mit Instrumentarien für die Wanderung ausgestattet hat, denen sei Dank, vielleicht habe ich sie in diesem Kontext noch nie erwähnt. Ich war durchweg dankbar dafür, dass meine Eltern sich geliebt haben, das halte ich für ein Glückslos und ist eines der wenigen Dinge, die wirklich keinem Kind Schaden zufügen können, auch wenn das Schicksal zu so vielen unvorstellbar grausam ist. Menschwerdung kann immer stattfinden. Ich danke dafür, dass sich nicht z u viele An-und Unangehörige ungefragt in meine Menschwerdung eingemischt haben. Das Wort ‚Freundschaft‘ klang immer warmherzig in meinen Ohren, so wie ‚Gespräch‘ – ja, und dann das Wort, mit dem man gern die DichterInnen beauftragt, so als hätten sie einen direkteren Draht zur Liebe, weil sie mit ihrem dunklen Nachen bis an den Rand des Abgrunds navigieren, wissend, dass sie hier sterben können…oder doch nicht? Doch nicht sterbebereit sein für die Liebe, sondern vielleicht manchmal in der Stille wortlos vor sich hinsummen in tiefer Dankbarkeit, dass es sie gibt. Zum Glück ist hier kein Erntedankfest mit gestopften Truthähnen, sondern ein ganz normaler Donnerstag, an dem ohnehin außer und trotz meiner Dankbarkeit überall genug Grausames geschieht, ohne dass man es immer erwähnen muss.

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