zusammenhängen

Was die Entfaltung des Viren-Epos und seiner Wirkungen so spannungsgeladen macht, ist (immer zu verstehen als u.a.) die kollektiv getragene Illusion, man wäre mit  e i n e m Thema unterwegs, was man ja auch zu sein scheint. Und wie in jeder munteren Diskussionsrunde werden mehr oder minder stabile Meinungen durch die Gegend angeboten oder geschleudert, und der als Kernpunkt deklarierte Anlass des Redens verliert sich meistens in multiplen Beiträgen der eigenen Geschichte, für deren genauer Durchdringung entweder das Interesse, aber auch die Konzentration und das Knowhow fehlen. Aber auch das Knowhow erlebt vielerorts eine spürbare Krise, wenn Millionen von Menschen ihr Knowhow einfach entzogen wird und sie, wie zur Zeit, in vielen Formen von Armut treibt. Auch wenn man oft nicht direkt beteiligt ist, braucht man Kraft für das Entlarvte. Tausende von Näherinnen in Bangladesh (z.B.) protestieren trotz Ausgangssperre gegen diese ihre neue Armut, weil westliche Aufträge, für die sie nähen, einfach storniert werden. Das präzise Erkennen gewisser Zusammenhänge ist selten auch gleichzeitig das Licht am Ende des finsteren Tunnels, aber es ist notwendig und hilfreich auf dem Weg zur Schlussfolgerung, wenn diese dann, noch weiter geführt, zu einer Wandlung der Verhältnisse führt. So wühlt jede/n was anderes auf und jede/r wir berührt von anderen Geschehnissen, oder wird wütend, oder empört. Auch durch das verwehrte Außen schlagen die Wellen hoch und heften sich an die Wände des Unmuts. Der Geliebte einer Mutter prügelt ihr Kind tot. Es kann wieder denunziert werden, wenn der Eine der Meinung ist, der Andere tue nicht, was doch jeder für richtig hält. Gott, sofern noch in den Gemütern vorhanden, greift auch wie meistens nicht ein, sodass sogar sein angeblicher Sohn sich verlassen fühlte von der Magie des Zuspruchs. Man kann dem unsichtbaren Herrn höchstens (nicht von mir, sondern von den Religionen her gesehen) einen Vernichtungsimpuls unterstellen, eine Bestraftat, um diese unwillig Lernenden zur Vernunft zu bringen. Aber die Vernunft hat auch nicht so geglänzt und wurde auf dem Spielfeld meist von der Unvernunft überholt und belächelt. Natürlich kann man auch das Schicksalpaket eines Erdlings mit einem Computer vergleichen, grundsätzlich einfach gestrickt und mit etwas Dunkel und etwas Hell auf die Reise geschickt, und dann erfährt man mit der Zeit voneinander, wer hinter den Spielregeln steckt, auf die sich zum Beispiel ein Land geeinigt hat. Und vielleicht steckt auch zuweilen hinter einer Bourka ein freierer Geist als hinter der Trägerin einer kostbar zerrissenen Bluejeans…who knows. Eine bis dahin unaufgefallene Luke öffnet sich irgendwo im Rahmen innerer Architektur. Ein Wohlgefühl. Eine angenehme Befindlichkeit. Ein Strom tiefer Wärme. Ausgerechnet aus etwas strömend, was man für ein Mauseloch hielt, und wo sich Nichtwissen und Ohnmacht und Angst ihr Lager eingerichtet hatten, abgelehnt von den Insassen der Verbraucherzentren, die lediglich liefern, was Profit bringt und die abhängig sind von Nachfrage. Wer begreift sich schon gerne als Sklave der Update-Industrie, der es gelungen ist, einer ganzen Weltgesellschaft vorzugaukeln, dass sie ohne Konsum ihrer Produkte am Zerfall des globalen  Wirtschaftsnetzes beteiligt ist. Also Wahrnehmung der Ohnmacht und der Angst vor drohenden Verlusten. Aber auch Neu-Orientierung und kreativer Umgang mit dem erstmal als unausweichlich Erscheinenden. Ein geschärfter Blick. Ein Zurückhalten von Meinungen. Eine Sorgfalt bei den Differenzierungen. Eingang und Ausgang von Atem. Vogelgezwitscher.
Auf Zen-La erheben sich die Schweigenden von den Steinen einer sehr alten Zeit. Sie haben ihre Herkunftslegenden in inneren Architekturen untergebracht und bewegen sich wie TänzerInnen über das leere Spielfeld.

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