Vom Kriegen I

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Schauplatz des Kriegens und (m)eine Kriegs-Erklärung,
obwohl ich weiß, dass man den Krieg niemals erklären kann.

Ein jeder kriege also, was er kann, denn da ist stets, was jeder kriegen will und muss. Das Kriegen folgt dem Kriegenden zu Fuß. Der Mensch kommt ja vom Kaufhof und geht zu ihm zurück. Er denkt, im Kriegen liegt des Kriegers Glück. Als Kind stört er die Welt des Menschen, daher stört er als Mensch die Welt. Er hat sein Urbauklötzchen nicht gekriegt. Jetzt wird die Welt bestraft. Er zappt sich durch die Unterwelten und unterwirft sich seinem eigenen Schatten, und die Bestrafung wird zur Norm. Krieg‘ ich mein Klötzchen nicht, kriegst du eins drauf, denn Lachen darf man nicht beim Kriegen. Da gibt es nichts zu lachen.

Ahnengalerien zerfallen
in dieser Ahnung vom
schrecklichen Tod der Ruinen,
in denen leuchtende Blumen
sich selbst zum Leben erwecken
ohne Menschenbegleitung.
Andere streifen umher und suchen
nach einem noch so kleinen Impuls,
der sie herausbefördern könnte
aus dem bewegungslosen Leben.

Auch für diese Bühne gibt es genügend Kostüme. Alles ist da: Farben, Worte, Materialien, Raumanzüge, Panzer. Das erzählt mir doch keiner, dass ich da hin muss, wenn ich nicht will! Alle, die dort in den anzüglichen Uniformen herumgeistern, müssen es auch gewollt haben, auch das Folgen und Foltern will praktiziert sein, denn es werden jede Menge Statisten und Statistinnen benötigt, im wahrsten Sinne des Wortes: beladen mit Not! Viel Töten und Sterben ohne einen Tropfen von Sinn. Ein weiteres Land wird verwundet. Das ist nie wieder gut zu machen!

Ist es ein Wunder, dass es immer wieder
geschieht? Gibt es ein Wunder?
Wo ist das Wunder?
Ein verwundetes Wunder, oder ein
verlorenes Wunder? Von Wunder
zu Wunde und wieder zurück?
Wie kam es dazu?
Ging etwas verloren?


One thought on “Vom Kriegen I

  1. Ursula Antworten

    Ich bin tief berührt und sogleich herausgeholt aus meinem Oberflächenprogramm,
    geschuldet einer leichten Übermüdung und hinein geglitten in ein Mitgefühl,
    das aus der inneren Tiefe Kraft schöpft. Jetzt kann ich wieder weit über die Büsche und Tannenspitzen schauen,
    die mein Leben hier so angenehm machen und lege mir die vom „Kriegen“ Müden an mein Herz …
    Leider ist das Thema unerschöpflich – es ist hier gut, nachempfindbar und von so vielen verschienenen Ansichten her
    dokumentiert….

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