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Das ist eines von 18 Photos, die aus Indien zu mir hereingeflutet kamen, damit ich teilnehmen kann an einem rauschenden Monsoonfest, das wir dort seit Jahren so nicht mehr erlebt haben, denn der Regen kam zwar ein paar Tage, aber der Monsoon blieb aus, dieses dröhnende Prasseln , das die Luft nur leicht abkühlt, aber so willkommen ist wie die gefüllte Kornkammer. Der langjährige Umgang mit dem Wasserlosen war enorm. Die meisten Brahmanenfamilien im Dorf leben vom rituellen Dienst an den Pilgern, die zum See kommen wie zu einem Gott, der sie von allen Sünden befreit. Wasserleitungen wurden eingerichtet, Wasserbecken gebaut. Getan wurde weiterhin, als wäre alles so natürlich wie immer. Ist es ja auch. Das erinnert mich an einen Satz von Greta Thunbergs Eltern, und zwar „Krank ist das neue Gesund“, ein irritierender Satz, der einem sofort wahr vorkommen möchte, wäre er nicht eindeutig absurd. Viele zustimmend nickenden Köpfe (auch der eigene) verbürgen noch keinen Wahrheitsgehalt. So konnten während der Wassernot in Indien die Notlösungen nicht wirklich das als ursprünglich „heilig“ Deklarierte sein, und niemand konnte es mehr dazu machen, denn die Zeit des Heiligen, was auch immer als solches deklariert worden, war längst abgelaufen. Aber die Show läuft weiter, das ist das Interessante. Es geht ja gar nicht um heilig, sondern es geht um Geld, ganz einfach. Damit kann man viel kaufen. Auch Wasser. Und, wie mir Preeti, die oben im Bild den ersten Regen genießt, berichtet, wenn die Wasserknappheit in der Gesellschaft alle erreicht, wird das Wasser von den Armen zu den Reichen geleitet, damit die alles haben, was sie brauchen. Auch das persönliche Erfassen des Unaufhörlichen kann einen zurück zu sich selbst bringen, ebenso gut wie der nackte Blick oder die Nüchternheit. Dieses im großen Strom Mitschwimmende, das durch die digitale Revolution so gebündelt erscheint, macht es ja nur noch schwerer, zu sich selbst zurück zu kommen, vorausgesetzt, man will diesen Weg ergründen. Dann gibt es natürlich auch  Überraschungen. Alle haben es geschafft, sich auf die künstlichen Maßnahmen einzuschwingen, da kommt plötzlich der Monsoon zurück und sprengt alle Theorien vom großen Versickern. Was nun? Wird alles gut? Kann es denn gut gehen? Und was ist überhaupt gut. Oder man schmeißt sich wie Preeti in die herabströmende Wassermasse und genießt es dankbar, während es da ist. Vermisst es auch nicht, wenn es weg ist, denn die künstlichen Dinge sind auch noch da. Merkt man, dass man im Stromkreis der Gedanken gefangen ist, unterbricht man die Gedankenkette und wünscht sich selbst und den Anderen einen angenehmen und wohltemperierten Tag, wo auch immer man sich aufhält.

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