Luft

Was der P.M. auf dem Kopf trägt, habe ich nicht herausfinden können, denn ich erkenne jetzt, wenn ein Hindu etwas nicht weiß, aber mit tödlicher Sicherheit einen Staat nennt, wo dieser Vogelkopfputz seiner Meinung nach herkommen könnte, z.B. aus Assam. Offensichtlich stört es aber den P.M. nicht bei einer seiner Reden, die vor Kurzem noch hoch geschätzt wurden, nun aber in Wirkung nachlassen, da er seine oratorische Kunstfertigkeit auf Beschimpfungen der Gandhi Familie konzentriert. Rahul Gandhi ist allerdings auch nicht viel geschickter, wenn er ihn heimlich vernichten will mit einer großzügigen Umarmung, die er öffentlich als ‚Liebe‘ deklarierte. Nun ist aber dieser Terrorangriff passiert in Kaschmir, und der Hass auf Pakistan nimmt beunruhigende Formen an. Alles wird hochgeputscht, auch die Toten, die man auf einmal Märtyrer nennt und ‚Bravehearts‘, und ‚Helden‘, dabei saßen sie nur in einem Bus und wurden getötet von einem radikalisierten Jugendlichen. Man spürt eine Kriegslust in der Luft vibrieren und kann nur hoffen, dass es genug Willen gibt, es auszutarieren. Die wilde Gerüchteküche ist eröffnet. Manche sind sicher, dass Donald Trump Waffen an Pakistan liefert, andere glauben gar, Modi stecke dahinter, um sein Image durch Handhabung der Krise aufzupeppen. Ein wirklich schreckliches Bild erscheint in der Zeitung von Frauen aus der Familie des Täters, die sich mit Schleiern aus dem Blickfeld des Photographen herauswinden, und man ahnt, was die Zukunft für sie bereithält. Man kann auch bemerken, dass die praktische Vernunft nachlässt. Ein Mann wurde entlassen, weil er dafür plädierte, nicht alle Menschen aus Pakistan als Terroristen zu stempeln. Ich sinniere mit einem Brahmanen herum, wie es möglich ist für einen jungen Kerl, der mal ins College ging, so radikal zu werden, dass er bewusst all diese Menschen in den Tod fahren kann. Man kann sich ja nicht wirklich daran gewöhnen, weil es schon so oft passiert ist. Fliegt man bald mit einem indischen Flieger über Pakistan hinweg, spielt der Geist automatisch einige Szenarien durch, bis man ihn zur Ruhe ruft. Viele denken, dass das Versprechen, dass dort in einem muslimischen Himmel, wieviele waren es doch gleich, 72 oder 27 Jungfrauen auf den Bomber warten und ihm schöne Stunden bescheren, eine große Anziehung auf den potentiellen Täter ausübt. (?) Neulich hat mir eine indische Freundin eine pakistanische Komödiantin vorgestellt auf dem Smartphone, die vermutlich nicht mehr in Pakistan lebt, sonst wäre sie schon tot. Sie hat in ihrer Show behauptet, eine Jungfrau zu sein, denn kein Muslim würde sie je heiraten, weil sie spricht. Sie sagte, sie wäre nur stark beunruhigt, weil sie, käme sie im Himmel an, vielleicht mit einem Suizid Bomber schlafen müsste. Aus manchen Ländern kommend, kann es, auch wenn es nicht der eigene Geschmack ist, sicherlich befreiend wirken, krasse Aussagen zu machen. Einst waren sie Brüder, die Hindus und die Muslime, bis eines Tages durch das ignorante Eingreifen der Engländer Züge mit Toten hin-und herfuhren. Auf beiden Seiten herrscht das Unversöhnliche. Man wünscht sich einen Zauberstab zum Wegpusten von so manchem Festgefahrenem. Aber es werden nur Seifenblasen, und man lässt die Ketten der Hoffnung fahren und konzentriert sich auf das Wesentliche, zuweilen auch ‚das Profane‘ genannt. In jedem Falle das Da, zu dem Zugang ermöglicht ist.

 


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