zaubern

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, wo ich mich sagen hörte: ich glaube an nichts. Mein System schaltete sofort auf Überprüfung um. War es ein leerer, eitler Satz, oder sagte da was Wahres aus, dem ich Zugang gewähren musste?. Auf jeden Fall überraschte es mich, wobei mir Überraschungen zusagen, da ich den Begriff auch mit ‚Leben‘ ersetzen könnte. Dann suchte ich was, an was ich glaube und viellecht versäumt hatte, es zu sehen. Das. Wort ‚glaubwürdig‘ finde ich sehr passend, wenn es passt, aber dann…würdig welchen Glaubens? Glauben heißt hier wohl mehr ‚vertrauen‘, ein Mensch z.B., dem man Glauben schenken kann, der  einem also vertrauenswürdig vorkommt. Man weiß, dass das leicht zu Täuschingen führen kann, denn jede/r bindet ja seinen Glauben in d a s ein, was er gerne sieht oder erwartet, Das führt wiederum oft zu Enttäuschungen, und enttäuschen ist doch genau d a s , was Glauben nicht kann, nämlich die Täuschung entdecken und aufdecken, da sind wir im „gyan“, Wissen auf Hindi. Die klugen Inder haben sehr feine Unterscheidungen erzeugt, die ihnen allerdings zur Zeit nicht immer helfen. Sie haben z.B. unterschieden zwischen Anbetung und Wissen, beides aufwendig in Zeit und Raum, Dann gibt es bereits existierendes Wissens, das sich ja jeder nach Wunsch und Willen aneignen kann, und dann kosmische Konzentrationen des Gewussten, wie Zen oder Raj Yoga, wo davon ausgegangen wird, dass die geistigen Prozesse nicht als Nebensache betrieben werden oder etwas sind, was man mal ausprobieren möchte, sondern, die eigene Existenz nimmt eine Richtung an, die auf ein Zurück verzichten muss,  ganz einfach deshalb, weil sie es nicht mehr kann. Dann kann man den Glauben hinter sich lassen, nicht ohne durch gewisse Erschütterungen darüber zu gehen, was um Himmels Willen man ales bereit war, zu glauben. Der Vergleich mit Opium ist gar nicht so schlecht, denn man kann beobachten, dass, je dringlicher die Zeit ein Erwachen erfordert, desto suchterzeugender wirken die leeren Rituale des Glaubens. Nimmt man die ebenfalls suchterzeugende Handhabung des Smartphones dazu, kann von nichts mehr Verlässlichem ausgehen.  Ich sehe, dass die meisten Inder da noch locker mitschwingen, denn ihr Himmelreich ist praktisch gebunkert, der Rest ist Glaubens-und Traditionsroutine. Auch wird durch das Denken nicht die Seinsfrage entschieden, obwohl Denken fürwahr unerlässlich ist, wenn man im Auge behält, das auch Wissen, in welchem Kontext auch immer erforscht, eine Grenze bietet. Sein an sich muss der inhärenten Essenz gemäß weder habbar noch wissbar sein. Alles, was mit sich selbst verbunden ist, kann weder habbar noch wissbar sein, das würde die Sache verfehlen und verfehlt sie auch meistens. Nun kommt nämlich der wahre Zaubertrick, der, wie alle guten Zaubertricks, eine Transzendenz des Bewusstseins enthält. Wenn man Glück hat, zieht einen das absolut Wissenslose hinein in den Strudel des Wurmlochs, und wenn diese Reise von Überleben gekürt ist, dann strömt tatsächlich alles weiter wie zuvor. ‚ Es ist nun bewiesen‘, sagte doch neulich der Verrückte in der Weltsprache, ‚dass Aliens gelandet sind“. Vielleicht sind es aber wir, die heimischen Planetarier, die zurückkehren zu uns selbst.

One thought on “zaubern

  1. tayyebeh Antworten

    Hallo……ja wir sind`s , die wieder zu sich / uns zurückkehren aus dem ganzen “ Wahnsinn“ schnurstracks ins Herz .

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