rückblickend

Mir ist aufgefallen, was Rückblicken betrifft, dass ich es ähnlich mache wie (meine) Ordnungen herstellen. Es war nicht schlecht, über Jahre hinweg während der praktischen Ausbildung in Meditation und Yoga, einen einzigen Tag zu haben (Mittwoch), wo alles geputzt wurde gemäß einer indischen Achtung vor dem Donnerstag. Man gewöhnt sich ja wirklich an alles, was einem, zumindest eine Weile, logisch und sinnvoll erscheint. Auf meinen eigenen Wegen habe ich dann immer mehr beobachtet, dass sich entwickelt, was mir selbst entspricht. So ordnet meine Hand gerne während des Hin-und Hergehens, was in einfachster Weise vorgegeben ist, nämlich die eigene, bereits erschaffene Ordnung, die die Zufügung der Objekte vereinfacht und dadurch zeitsparend wirkt. Wenn nun etwas Zurückliegendes in der eigenen Geschichte vor dem Auge auftaucht, ist es sinnvoll, sich entweder zu widmen oder aber das Gebilde vorüberziehen zu lassen, auch wenn es erfüllt ist von vergangener Freude und nicht von abgrundtiefem Leid, dessen nur der Mensch fähig ist. Beim Herumwandern mit dem Thema (wo liegt die Verantwortung, wenn Vergangenes sich meldet) auf meiner Morgenrunde, schweifte mein Blick über den See und fing an zu starren. Was war das, was sich da bewegte…das waren doch nicht die üblichen 37 Gänse, die sonst hier herumschwimmen. Kein Zweifel, es waren Pelikane, große, weiße, schwerwiegende Vögel, die dem Geist einen ungeheuren Auftrieb geben können. Vor Jahren hatten sie sich schon einmal auf dem See niedergelassen, und ich erlaubte mir eine Art Berauschung, die mich ergreifen kann, wenn ich mich in den Zeuginnenstand gerufen fühle: Seht diese Vögel und ihre ergreifende Schönheit!, zum Beispiel. Ich ging damals zu Freunden, um sie an den See zu locken, aber alle waren zu beschäftigt. Aber ich gab mir selbst Freizeit und saß täglich stundenlang am See und schaute dem seltenen Genuss gründlich zu. Der ganze See war verwandelt durch ihre riesige Präsenz und ihre mächtigen Flügelschläge. Wem soll ich danken, dass ich mein Leben so eingerichtet habe, dass ich meine äußeren Augen einerseits herumschweifen lassen kann in freudiger Ungebundenheit, und sie dann tief im Staunen sich verankern lasse, als wäre ich gerade erwacht zu genauerem Sehen. Gut, dann stehe ich halt herum eines Tages mit schneeweißem Haar und einem langen Stab, und weiß zumindest selbst, welcher Reichtum an Schönem und Sehenswertem in mir gespeichert ist. Und obwohl ich, bei Zeus und Shani (Saturn), eine gute Kassandra hätte werden können, hat es sich doch anders ergeben. So kann ich nichts Beunruhigendes finden in der menschlichen Fähigkeit der Zeitenwanderungen, und doch distanziert sich etwas in mir vom Drang nach genetischem Gedächtnis, dem ich mich nicht grundsätzlich verpflichtet fühle. Ich denke, es hängt vom Bewusstsein ab darüber, dass wir unsere Erfahrungen (zu einem gewissen Grad)  gestalten können. Das macht das ganze Erleben für einen selbst erst lebendig.

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