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Ich kann wahrlich nicht von mir behaupten, dass ich mich unangemessen in Schreckensbilder vertiefe, aber dieses Bild oben hat mich dann doch verblüfft. Verbietet einem jemand etwa den irren Sinn, den man in unbeabsichtigten Dingen entdecken kann, die mehr über das Geschehen aussagen können als so manch andere Ohnmacht, die erkannt werden muss? Man sieht auf dem Bild zwei Rauchwolken von Bombeneinschlägen in Mossul. Mossul, ja? Die eine Wolke sieht aus wie eine diktatorische Großmaus, die mit narzisstischer Grimmigkeit den Wahnsinn vorantreibt. Rechts von ihr ein feuerspeiender, durchgedrehter Bär. Unter ihnen das Mossul, das einst war und nun in Schutt und Asche liegt. Ob weitere Mossule möglich sind, weiß keiner. Auch Berlin lag in Schutt und Asche. Trümmerfrauen fanden Sinn und Tun im männerlosen Wiederaufbau. Die Städte und die Verlierer können wieder aufblühen, die Verräter auch und die autistischen Micky Maus Täter. Ist so eine Sicht mit Gefühlen gekoppelt, neigt man zu Scham, das macht auch keinen Sinn. Auch das scheinbar Gute zeigt Suchttendenzen. Sollte sich jemand schämen? Der jetzt grenzenlose Zugang zu den menschlichen Lebensarchiven führt zu Extremen auf beiden Seiten. Einerseits die gefürchtete hordenmässig auftretende Verrohung kaum zu kontrollierender Lebensformen, andrerseits die ebenso schleichende Sucht nach Sauberkeit und gutem Gewissen, wo von Gewissen gar nicht mehr die Rede sein kann.Darf man hier religiöse Domspatzenchorleiter, die Kinder missbrauchen, neben IS-Schergen stellen. Man darf, aber man muss nicht. Und doch: sind das immer diesselben? Die, die den wahrlich erschreckenden Tatsachen des Seins nicht wirklich antworten konnten, oder konnten sie einfach wirklich nur tun, was sie tun, weil es ein wirkliches Wirklich gar nicht gibt? Im alten indischen Epos „Mahabharata“ geht es auch um Ehre und Krieg. Wenn dein Schicksal dir zeigt, was du musst, dann musst du, belehrt Krishna, der Gott der Liebe, hier als Kriegsherr und Wagenlenker, seinen Schüler Arjuna. Der will  seine Verwandten nicht töten müssen, das kann man verstehen, aber er muss, weil er keine Wahl hat, sagt Krishna. Er muss sein Schicksal erfüllen. Man merkt, wie man hier leise die Ebene wechselt…und wandelt mit den Götterboten, die einem plausibel machen, oh Menschling, dass alles letztendlich ein Spiel ist. Auch nicht wirklich ein Scheiß-Spiel, sondern da muss man schon tüfteln, denn wenn man nicht tüftelt, weiß man ja gar nicht, wie es funktioniert. Die Kenntnis der Grundausstattung und die Betriebsanleitung können im weiteren Verlauf hilfreich sein für das Know-how. Mossul, euer Mossul, ein dunkler Ort der Trauer. Mossul. Nur noch Schall und Rauch.


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