wirmanich

Nun werden wir oder man oder ich sehr lange davon hören, wie es allen so ging inmitten dieses ziemlich surrealen Traum(a)s, durch den wir geschritten sind. Und sind auch noch nicht ganz durch den Tunnel hindurch, nur das Licht ist sichtbar. Aber in Wirklichkeit war das Gemeinsame ja ziemlich oberflächlich, denn selten zuvor waren Menschen auf der ganzen Welt so gezwungen oder auch bemüht, ihre eigenen Einstellungen zu suchen und zu finden. Auch die Herren Herrscher an den Spitzen der Eisberge zeigten sich öfters geradezu unfähig, die Katastrophe adäquat zu handhaben, da sie gewohnt sind, sich mit völlig anderen Dingen zu beschäftigen als das Wohl ihres Volkes. So kann  es zu einigen gesunden Einschränkungen in der Wahrnehmung des Bewunderten kommen, nicht, dass hier tiefgreifende Veränderungen zu erwarten wären. Das konnte auch noch mal vertieft werden in der Nähe des distanzierten Umgangs mit Anderen, dass eben nichts und niemand verändert werden kann und man willig oder unwillig zurückgeworfen wird auf die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten, sich durch die komplexen Themen zu bewegen, bis man sich gegenübersteht und neue Aufgaben auf einen warten.  Hier verschwindet fast wie nebenher das „Wir“ und das „Man“, aber wer will sich schon durch die Zeilen ichen. In dieser Bredouille habe ich mir schon früher dann das Wort „Man“ als „Geist“ translatiert, was das Wort in Hindi auch bedeutet, das lockert ein wenig die Verallgemeinerungen, vor denen man sich hüten kann. Ich höre mich in meinen Gesprächen mit Freunden in Indien fast immer sagen, wie gut es mir und uns geht, und da es wahr ist, entsteht genug Raum für das Ungeheure, das Leid, das Unfassbare. Ich merke, dass selbst jetzt, wenn ich an Indien denke und die Hölle, die viele der BewohnerInnen gerade durchlaufen, sehe ich Bilder wie epische Dramen, wie wenn eine Art Fluch über das Land gekommen wäre, ein eiskalter Windhauch, der alles Bestehende in Frage stellt: die Götter, die Rituale, die sogenannte Heiligkeit, der Glaube an all das, was tausende von Jahren als Idee nicht in Bedrängnis kam. Nun sind in der indischen Bevölkerung  gleichzeitig mit Covid drei tödliche Formen eines Pilzes aufgetaucht, über den heftig gerätselt und vermutet wird. Die ersten Forschungen haben nun ergeben, dass der Ausbruch durch das Trinken von Kuh-Urin, üblich vor allem in der Brahmanenkaste, sozusagen als Nektar der heiligen Kuhgöttin. Und natürlich hat sich die Wissenschaft des Yoga stets sehr ungern der westlichen Wissenschaft genähert, da die inneren Erfahrungen fast nur mit Praktizierenden ausgetauscht werden können, und so ziemlich in allen Lehrstätten der Überblick verloren gegangen ist, wo die ganzen meditativen Bewegungen, oft neu erweckt und vom Geld der Foreigners getragen, eigentlich hingeführt haben. So greifen die Einheimischen dann wieder in ihrer jetzigen Not zu alten Hausmitteln wie das Bad in Kuhdung oder der Kuh-Urin-Trunk, nicht bedenkend, dass das eine andere Kuh ist als früher, als die Welt noch nicht mit Plastik belastet war, und überhaupt nichts mehr ist wie früher. Nie kann etwas sein wie früher, das habe ich jetzt auch verstanden.

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