Was dann?


Ein japanischer Maskenträger beobachtet fasziniert, wie Hannah Arendt
ihre Zigarette in den kristallenen Aschenbecher drückt.
Da, wo ich viele Jahre in Indien verbrachte, hatte der Samstag einen ganz bestimmten Ruf. Es war so, als dürfte sich etwas vom Unheimlichen zeigen, das sonst verborgen liegt. Oder aber man hatte die tausendjährige, über Erzählungen vermittelte Erfahrung gemacht, dass gerade an diesem Tag viele unheimlichen Dinge geschehen, die ansonsten gebannt schienen. Seltsame Priester wanderten umher mit einem gerahmten Bild von Shani, dem Gott der Samstage, und hielten es waagrecht zu einem hin, sodass man Münzen darauf legen konnte. Es ist eine der vielen Methoden für Gläubige, sich durch Mini-Spenden ein gutes Gewissen zu verschaffen. In den Häusern soll es oft gebrodelt, oder man benutzt den Samstag einfach zum Brodeln, weil man dann die Verantwortung auf Shani schieben kann, der von seiner Existenz und ihrer Wirkung gar nichts weiß. Aber natürlich gibt es auch die Möglichkeit, wenn man etwas ganz lange und unbedingt auf eine bestimmte Weise sehen will, obwohl es keinerlei Beweis für diese Fassung gibt, dann kann es schon vorkommen, dass der Gläubige beginnt, einen großen, schwarzen Vogel durch die Dämmerung fliegen zu sehen, auf dem Shani seine Nachtrunden dreht, vor denen man sich fürchten darf, denn dafür hat man ihn ja erschaffen. Und so ist man inmitten der Pandemie mit der tiefsten Sorte der Weltproblematik auf einmal ganz allein, obwohl es endlich mal zur Sache geht, und was ist sachlicher und interessanter gleichzeitig, als zu wissen, wie ich es selbst handhabe, und dann mit den Anderen. Je mehr ich weiß, wie ich selbst es sehe, desto unbelasteter kann ich mich letztendlich fühlen im Sinne, dass ich mehr Raum habe für mich und die Anderen. Gefährlich finde ich es auch zu bemerken, wenn mein Humor sich wieder einmal bedeckt hält, nicht, dass er verpflichtet ist, mich täglich bei Laune zu halten. Die Verzweiflung an der menschlichen Darstellung, die einen ergreifen kann, muss ja stets aufs Neue balanciert werden mit gewissen anderen Erkenntnissen, die der Unterschiedlichkeit der Darstellungen gerecht werden. Niemandem ist entgangen, dass die Erde ein knallharter Ort sein kann, und es hört ja nicht auf, dass man mit Varianten und Mutanten beschäftigt ist, und der Weg tatsächlich das Ziel ist und eben keine große Karotte vor einem Eselswagen. Auch Religionen können beides sein, einmal die praktische Stufe, um in die Vertikale zu dehnen, ein andermal eben ein verdammt zähes Meinungsgewirr, wo es in endlosen Teufelskreisen um alles geht außer der Kernaussage, die meistens ein einziger Mensch erlebt hat, woran man die Seltenheit des wahrhaft Authentischen sieht. Nun warten zwar ganz viele auf einen Erlöser, aber selbst wenn er kommen können würde, würde er sehen, dass die Stühle schon alle besetzt sind. Wir sehen einen potentiellen Erlöser sich dem goldenen Stuhl von Narendra Modi nähern. Modi: Wer ist das denn? Keiner weiß es, und niemand will gesehen haben, wie er reinkam durch die dichten Reihen der Secret Service Garde. Man fragt den Erlöser nach seinem Impfpass. Wussten sie’s doch, hat er eben nicht. Und so beginnt der Leidensweg, denn er kann niemanden überzeugen oder erklären, mit welchem Auftrag er gekommen ist. Er selbst ist natürlich nicht abhängig von den Impflingen, aber wenn er der einzig Ungeimpfte bleibt, was dann, ja, was dann.

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