fürchten

Schon wieder Samstag! Hier gibt’s ja (noch) keine Rasenmäher und (noch) kein Lidl und Aldi und Rewe, aber es gibt halt Shani, der Furcht-erregen-Sollende, wo hingepilgert und verehrt wird, was das Zeug hält. Gestern habe ich auch eine dunkle Gestalt (s.o.) herausgepinselt, die ein Kind verschlingt. Es könnte Kumbhakarna sein, ein Riesen-Dämon, der, soweit ich mich erinnere, von Indra in Schlaf versetzt wurde und sechs Monate schlief. Als er erwachte, aß er auch Menschen. Aber meine Figur frisst ein Kind. Ich dachte an das winzige, zehn Monate alte Kind von Mamta, die ich gestern besucht habe, und wie ich meine Augen von dem Kind nicht abwenden konnte. Es sah so zerbrechlich aus, als würde es schnell wieder von der Welt verschwinden. Mamtas erstes Kind war ein Sohn, er starb nach der Geburt. Danach kamen hintereinander drei Mädchen, und dem letzten Winzling haben sie diesen furchtbaren Namen gegeben, der  ungefähr soviel bedeutet wie ‚jetzt aber Schluss‘, also Schluss  mit den Mädchen. Es trinkt nur Muttermilch, gedeiht aber nicht. Die Mutter ist prall und voller Lebenskraft, aber ich sehe, dass das Kind sie nervt, weil es die Erwartungen der Familie nicht erfüllt hat. Das Kind siecht dahin an Lieblosigkeit und schreit und schreit und schreit. Vor so etwas kann ich mich fürchten, vielleicht vor dem Ausmaß der eigenen Ohnmacht im Angesicht des Schreckens. Wenn sich keiner freut, dass man geboren ist, was kann einem Schlimmeres passieren, zumindest als Auftakt ins Lebendigsein. Klar kann immer noch viel geschehen, aber dann muss man schon sehr viel Talent oder Glück haben, um einen Weg zu bahnen aus der Seelengrube. Was ich zum Fürchten finde, sind diese Arten und Weisen, mit denen in Kulturen etwas als ’normal‘ definiert wird, der gebundene Fuß, die beschnittene Vagina, die wertlose Tochtergeburt, die ausweglose Programmierung des Daseins, beziehungsweise des Lebens der Frauen. Denn ich sehe doch immer wieder, dass es bei vielen Männern, u.a. durch die besorgniserregende Fürsorge der Frau ganz gut flutscht, und da, wo sie (die Männer) schlafen, ist ja oft nicht da, wo sie hindenken mit all den vielen Interessen, den anderweitigen. Heute habe ich auf meinem Rundgang einen Naga Baba gesehen, also einen vollkommen nackten Mann, bzw Mönch, der nur in Asche gekleidet war, wie es ihre gerne zur Schau gestellte Art ist, und er sprach in ein knallrotes Smartphone hinein, wer weiß mit wem, und es gibt wahrscheinlich auch nicht wirklich jemanden, der es wissen möchte. Dies also zum Samstagmorgen, der sich andrerseits milde zeigt, was dem Dunst zu verdanken ist. Manche Läden sind geschlossen, weil lokaler Wahltag ist. Es fällt schwer, ein Fünkchen Interesse aufzubringen, da es nicht um Politik geht, sondern um Persönlichkeitskult, nichts Neues, in der Tat.

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