klimawandeln

Es gibt Worte, die bei ihrem Auftauchen eine kollektive Sogwirkung entfalten können, und plötzlich merkt man, dass man sich von dem Wort zurückzieht. Der häufige Gebrauch kann anöden, aber auch die Unglaubwürdigkeit dessen, was sich hinter dem Wort alles zusmmengebraut hat. „Klimawandel“ zum Beispiel. War ja sicher höchste Zeit, dass etwas in Schwung kommt, vor allem neue Ideen, neue Interessen, begehrenswerte Materialien, die man der Menschheit andrehen kann. Nächtelang sitzen sie nun zusammen in den Kapitolen der Welt und beraten, was man dem Volk an Einschränkungen und Aufbrummungen zumuten muss. Denn die bitterste aller bitteren Pillen  ist ja schon im großen Denkschlund versenkt worden, in dem auch manchmal, wie in aller Finsternis, ein Fünklein Wahrheit glüht: denn wahrlich ist ja nicht zu leugnen, dass wir  alle mitgemacht haben, und auch immer noch mitmachen bei der Weltverschmutzung, wo man sich doch eine Welt ohne Plastik gar nicht mehr vorstellen kann. Neulich fielen mir mal die knubbeligen Gummisohlen an den neuen Schuhen auf und fragte mich, wie es wohl den Schustern geht, wenn es nichts mehr zu schustern gibt. Klar, weiß ich, Dinge sterben aus. Nur: so ein ganz mächtiges, gemeinsames Sterben, wie es gerade im Gange ist, das will ja auch keiner. Aber auch verzichten können will gelernt sein und braucht Zeit. Die Zeit, die die Wenigsten noch haben, denn vielseitig sind die Angebote, mit denen man die eigene, die kleine Welt, bestücken kann. Ist das jetzt auch ein gemeinsames Erwachen mit diesem Blick auf den sogenannten Klimawandel, der zwischen schmelzenden Gletschern und brennenden Wäldern hin-und hertaumelt und dazu anregen soll, die Gehirne umzupolen, auf co2-Steuern usw. Schon schwächelt das Greta Thunberg-Prinzip, aber vielleicht erholt es sich wieder und kommt zu neuen Kräften. Oder hat es mich wieder hingeweht in die inneren Bibliotheken meiner Kindheit, auf zeitlosem Holztisch das Buch aufgeschlagen mit den Worten „Befreit von den Ketten der Hoffnung“. Befreit von den Ketten der Hoffnung!? Nicht befreit vom angemessenen Umgang mit dem Lebendigenn, nicht befreit von den notwendigen Reifeprozessen, nicht befreit vom Raumschiff, dem Kompass und den Gefahren der Gewässer, nicht befreit von der Dankbarkeit dem Ungewissen gegenüber, das uns das Schicksal eines Lebens beschert, nicht befreit von der Schönheit der Gärten und all dem, was dort stattfinden kann. Nur befreit von der Hoffnung. Und worauf sollte ich sie setzen, und wie hoch wäre der Preis, wenn ich sie verlieren müsste. Das wäre doch absurd, dachte ich früher, wenn Dummheit und Ignoranz und Habgier immer vorherrschen würden. Da bin ich mir nicht mehr so sicher. Und man hört ja auch nicht so viel aus den Welten, wo Menschen sich kreativ und zugewandt miteinander bewegen, und wo das Menschenmögliche einen eher gelassenen Eindruck macht.

 


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