Mühe

Schwerlich kann man (z.B.) einem Neugeborenen den schwer wiegenden Titel „Mensch“ versagen, denn, kaum das Licht der Welt erblickt, erhebt er oder sie automatischen Anspruch auf das Grundrecht. Man ist eben k e i n Tier oder k e i n Gegenstand, wird aber in die Natürlichkeit der Erscheinungen mühelos eingereiht. Denn jetzt ist man da und wird als „Mensch“ gesehen.  Erst später wird einem klar, was das beinhaltet, und zieht die Konsequenzen aus den Erkenntnissen, die man ansammelt und die zu weiteren Entscheidungen führen. Das, was sich dadurch entfaltet oder nicht entfaltet, ist der Mensch, der man ist und den man dadurch kennen lernt. Die Kontemplationen über das Menschsein und was es nun eigentlich sei und ist, kommen meist in reiferem Alter, wenn einem klar wird, dass man um sehr komplexe Gedankengänge nicht herum kommt, will man wissen, aus welchem Stoff man selbst gemacht ist. Und zwar einerseits von der angelegten Geschichte her, andrerseits aber durch ein bestimmtes, eigenes Verhalten, das sich im äußeren Raum zu zeigen beginnt. Ohne Beweise, dass man das Andere tatsächlich s o sehen kann, wie es wirklich ist. Und ja: was ist schon wirklich, wenn ich die „Wirklichkeit“ eines Anderen nicht infrage stellen kann. Kann ich ja trotzdem, nur beweist das wiederum gar nichts. Wenn ich nun ohne den Wunsch oder die Ausrichtung, mich selbst erkennen und kennen lernen zu wollen, mein Leben erfahre, befinde ich mich zwangsläufig in der berühmten Blase, und irgendwie ist die Blase nicht der günstigste Aufenthaltsraum, um weitere Einschätzungen des planetarischen Vorgangs bewältigen zu können, da das Matrix-Feld selbst ein illusionäres Konstrukt ist, in dem jede/r schaltet und waltet gemäß den für sie oder ihn vorhandenen Möglichkeiten. Ich habe da also auch einen gewissen Spielraum, das, was ich bin oder denke zu sein, auszuprobieren, um die beiden Extreme meiner Anlagen wahrnehmen zu können. Was aber muss passieren, damit ich den Tellerrand, dessen unterstützende Rundung lange ein sicherer Ort schien, damit ich also diesen Rand verlassen kann, um mich dem Ungewissen in seiner absoluten Neuheit oder Fremdheit überlassen zu können, ja muss das denn sein. Zum Glück kommt einem so ein Gedanke erst, wenn man ohne ihn nicht weiter kommt. Hier ist genau der richtige Ort, um einen genialen Satz zum besten geben zu können, den mir ein Freund neulich am Telefon „schenkte“, möchte ich schon fast sagen, denn er schlug ein wie ein Blitz, traf auf sich selbst und nahm allen Raum ein, den er für seine Wirkung benötigte. Der Satz ist: „Für einen Hammer sieht alles aus wie ein Nagel.“ Eben ein voll auf den Kopf getroffener Satz, der auf vielen Ebenen seine Kraft entfalten kann, bis man sich erschüttern lässt von seiner scheinbar harmlosen Tiefe. Es ist natürlich nur ein anderes Bild als das mit der Blase, aber es vermittelt einem noch einmal die Tatsache, wie viel Verantwortung man trägt für die Qualität des eigenen Blickes, und dass die Menschwerdung, auf deren Pfad man ständig unterwegs ist, kein Klacks ist, sondern sehr viel Mühe bereitet, wenn man wissen will, was für ein Mensch man selbst ist, und was für Möglichkeiten man hat, sich auch selbst, ganz persönlich, darum zu kümmern, mit was man ständig so alles unterwegs ist.

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