umsetzen

Ein Gefühl, das einen zuweilen anhauchen kann in diesen Zeiten ist, dass fast wie nebenher etwas, das wie selbstverständlich immer dabei war, nun langsam einem Ende zuzugehen scheint: Das sogenannte ‚alte Wissen‘, das immer verfügbar war und immer noch ist. Vor allem auch verfügbar durch schnelles Nachfragen über die Maschinen, wo ein Fehler auftaucht, der auch uralt ist, nämlich dass wir oft denken, blitzschnelles Aufnehmen heißt auch tiefes Verstehen.  Vor allem ist die Frage wesentlich, wie es umgesetzt werden soll, denn was nützt ein Wissen, das nicht umgesetzt werden kann, vor allem in Zeiten, wenn man es endlich mal praktisch braucht. Das Heraustreten aus der geistigen Aktivität in eine praktische Anwendungsmöglichkeit hinein. Wenn Verstehen radikal und tiefgreifend ist, bringt es allein durch das Aufgewühltsein die Notwendigkeit herbei, neue Ordnungen zu erschaffen, da das Chaos des ungeordneten Denkens einen leicht überwältigen kann. Nun erscheint aber gerade zur Zeit aus allen Fachgebieten herkommend und auf den  Titelblättern der Tageszeitungen sich niederlegend eben dieses alte Wissen mit all seinen antiken und förderlichen Fragen, die nach wie vor frisch beantwortet werden können. Wie will ich leben, wer bin ich, wie betrachte ich die Welt, mit wem lebe ich, wo sind die Grenzen der persönlichen Freiheit, und wie sehr will ich sie überhaupt, diese sogenannte Freiheit!!?. Natürlich nicht d i e, das haben wir ja jetzt verstanden, wo ich machen kann und muss, was ich will, ohne Rücksicht auf Verluste. Dann aber Verluste am Ort, wo sie notwendig sind. Man kann ja nicht alles bejahen, was einem angeboten wird, und es gibt auch die Kraft des Verzichtens. Hauptsache, ich werde nicht dazu gezwungen. Das ist Eltern sicherlich gut bekannt, dass es meistens nicht funktioniert, das unfreiwillige Verzichten. Dann ist es ja auch gut, den Widerstand zu kultivieren, damit es klar wird, wo er angebracht ist für einen selbst, und wo nicht. Dass sich das Gerücht, alle Menschen möchten frei sein, so lange gehalten hat, ist nicht überraschend. Weniger bekannt ist die Kunst, einen Tag so zu gestalten, also jeden Tag, dass er einzigartig ist, obwohl dieselbe wachsame Sorgsamkeit der Zeit gegenüber täglich aufs Neue erforderlich ist. Und man muss sich darum  kümmern, dass Raum dafür da ist und dass der Raum, außen und innen, nicht s o vollgepropft ist, dass man sich vor dem Ordnen zu fürchten beginnt und denkt, das schaffe ich nicht. Der Antrieb dazu kann nur über das Wissen, das Verstehen, das Einsehen, aktiviert werden. Und wer kennt nicht den müden Blick über die Bücherregale, denn der Staub kennt keine Hemmschwellen und lässt sich gerne überall nieder. Auf das Wissen, auf den Willen, auf die guten und wichtigen Absichten. Einer unserer kollektiven Traumzustände kann durchaus sein, dass wir alle dem Irrglauben verfallen sind, die Maschinen würden uns menschlich weiterbringen, bei aller Freude am Spiel der Tasten. Wir sind doch alle Erklärungsmeister geworden für das Unerklärbare. So ist zu vermuten, dass die große Wissenswelle zurückfluten wird in die Häuser, unterstützt von einem Pandemievorgang, der es vermag, die Weltspielleidenschaft zu dämmen, und dann dieses Umschauen zuhause mal wieder ganz frisch gesehen, oder überhaupt mal gesehen jenseits der Selbstverständlichkeiten, also ich und die Anderen und die kostbare Zeit, die mir zur Verfügung steht.  Auch ein lebendiges Feuer enthält schon die Asche, aus der es wieder entsteht.

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