surfen

Man hat den Engeln ja nicht nur dieses liebliche Am-Bett-stehen überlassen, manchmal gleich vierzehn von ihnen auf einmal, sondern zuweilen kommen sie daher mit einem Buch oder einem Schwert, oder sie tragen jemanden von einem Schlachtfeld weg, und noch in ihrer entschwindenden Fußsohle kann sich mehr Mitgefühl ausdrücken als bei den meisten von uns Menschen tief in unserem Innern. Oder Empörung und Entsetzen drücken sich in ihren sonst seelenruhigen Gemütern aus, oder die Hand des Malers lockt es aus der Materie hervor, eben das, was gefehlt hat und nun da ist, mächtig und engelsgleich. Da gibt es nicht diese kleinmütigen Augenblicke, oder abfälliges Lachen, oder ein gebasteltes Feindbild, das keiner Nachfrage standhält. Sachte hebt er den Verwundeten auf und bringt ihn, oder sie, wohin?, ja wohin. Da sind wir am Ende des Märchens, denn weder lebt Tulsi Das als Eremit und Schreiber der Ramayana im tiefen Wald, wo Sita, die von Ram Verschmähte, Zuflucht finden kann. Oder ein Hieronymus im Gehäuse, um den die lieben Tiere lagern und wo ein Engel furchtlos an die alte Holztür klopfen könnte und um Einlass bitten, und der Eremit hätte natürlich ne Menge Heilkräuter und ne Schale was Heißes zum Erfrischen, bevor der leuchtende Gast weiter muss. Zum Trösten oder zum Mittrauern oder zum Lieben, wer weiß. Es muss eine Art Ursehnsucht von uns sein, oder (m)ein poetischer Urtrieb, der sie gerne, vorzugsweise an Abgründen ihre schweren Schwingen lagernd, kontemplieren kann als das auch Daseiende, ohne dass man mit dem Finger auf etwas zeigen wollte und sagen: siehe, das ist es, obwohl es schon seit Menschengedenken auf eine gewisse Weise war und ist. Vielleicht als das, was dem Menschen zugänglich, aber in ungefilterter Weise nicht möglich ist, nicht ohne Zusatzstoffe zu haben. Ein geistiges Feld, in dem die Potenzen sich ausdrücken, nicht zuletzt auch als Gegenspieler böser Science Fiction Helden, die keine Probleme damit haben, die Welt der Vernichtung auszuliefern für ein bisschen Machtgelüste. Und was hat zum Beispiel der Silver Surfer, eine weitere, feine Schöpfung von Gene Roddenberry, vor sich hingelitten, einsam und allein irgendwo im kalten All, auf seinem Surfboard kniend und über das düstere Schicksal des Planeten nachgrübelnd. Auf der Erde trägt er bei der Arbeit einen Trenchcoat und einen Borselino, sonst würde ihn die Zivilgarde wahrscheinlich verhaften, weil er keinen Personalausweis dabei hat. Klar, kann er ja nicht, denn er ist ja wie die Anderen im Kopf von jemandem geboren, doch auch bei mir hat er einen Platz unter dem Banyanbaum im Garten von Zen-La, wo ich ab und zu die Gräser hüte mit meinem Blick. Bei mir kann von mir aus auch die Sphinx Schwingen tragen, während sich ein goldenes Ei in ihrem Schweigen entfaltet und gedeiht. Die Musik, die dazu passt, ist noch nicht geschrieben, und die Worte halten sich lächelnd zurück. Vor dem kindlichen Auge rinnen die tiefschwarzen Samen der  Opiumkapseln in den fruchtbaren Sand der Wüsten.

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