schwarzheller Mittwoch

Es ist ja nicht nur so, dass man notgedrungener Maßen eine Einstellung zu den erschreckenden Geschehnissen unter Menschen haben muss, sondern sie kann durchaus auch willentlich sein, menschlich, mitfühlend, empört, dann auch ohnmächtig und überfordernd und so zwiespältig in ihren Erscheinungsformen, wie wir es jetzt in Amerika sehen. Ja, immer wohltuend sind die tief betroffenen Stimmen, wenn der Moment gekommen ist in der Zeit, den schon lange vorhandenen Abgrund in den Blick zu nehmen und bereit zu sein, sich an seiner Komplexität abzurackern. Und wenn es so weit geht, dass man permanent auf das Unlösbare stößt, dann wird das Ganze wahrlich ein unüberschaubarer Flickenteppich, auf dem sich für keinen gut leben lässt. Nun haben wir in Deutschland tatsächlich einen Abgrund erlebt, aus dem bis heute nicht nur die Reflektionen über das Ausmaß der Bestialität, das ein Mensch erreichen kann, in die Gesellschaften fließen, sondern er zeigt auch, was nach einem totalen Zusammenbruch wieder alles möglich ist, ohne dass jemals klar wurde, wer damals im Volk für wen und gegen was war, und genau wann der Moment einsetzte, wo unleugbar dunkle Mächte am Brüten waren, denen es um Dinge ging, die mit dem Wort ‚menschlich‘ gar nicht mehr in Verbindung treten können durch ihre Entartung, und der Vergleich mit dem Tier keinerlei Berechtigung mehr hat. Und da sind sie wieder, die Rechten, die Linken, die in vielerlei Formen subversiv Auftretenden. Die Einen schleichen sich in die erst friedlichen Proteste ein, weil sie den Führer wollen, der Waffen einsetzt gegen das, was sie selbst nicht haben und können, und die Anderen wollen vielleicht nur mal was haben, was zum Verkaufen ist, um leben zu können. Die Menschen mit der dunkleren Haut gehen ja nicht nur in Amerika unter, sondern sie versinken weiterhin im Meer oder sterben auf dem Weg dorthin. Ich kannte in meinem Leben einige schwarze Menschen, mit denen ich tief verbunden war, und denen u.a. die Trennung zwischen Schwarz und Weiß auch wichtig war, damit ihre Integration nicht nur aus erwarteter Anpassung besteht. Wie oft bringen Menschen nicht die Kraft auf, sich in ihren engsten Beziehungen zutiefst berührt zeigen zu können über die          Beschaffenheit eines vollkommen anderen Universums, mit dem sie ein belebbares Feld gestalten oder den Zusammenbruch dieses Feldes eingestehen müssen. Dann wiederum ist Einsamkeit eines Wesens, die Freude an so manchem Gelingen, die immerhin für jeden existierenden Möglichkeiten, am Sein mitzugestalten, in welchem Maße auch immer, ein von allen geteiltes Erleben, und nur die Riten und die Rituale, und die Kostüme und die Rechtsprechungen usw. sich gemäß der wählenden Menschen formieren, (so weit sie wählen können), daher: was macht man, wenn die Entgleisung nicht mehr aufzuhalten ist, kein Pflaster mehr hilft, kein Inhalt mehr zum Schnüren eines Hilfspakets zur Verfügung steht. Eine innere Hemmschwelle tritt ein und weist bescheiden auf die blühenden Gärten des Kepos hin. Klar, was habe ich ganz persönlich für eine andere Wahl, als weiterhin mein Menschsein zu schulen auf den Bänken der großen Universität, nämlich das Ding selbst, das einen nicht lehrt, wie man’s am liebsten hätte, sondern einem die Kraft gibt zu sehen, wie es ist. Denn da lockt eine ganz andere Meisterprüfung, die nimmt die Flügel aus dem Wind und setzt den Fuß auf den Boden. Das duale Prinzip öffnet seine inhärente Begrenzung, denn es ist ja nicht so, dass die Schätze, die  noch im Depot liegen, mit dem Verwendungsverbot belastet sind. Nein, es ist noch einfacher, da man nur wissen muss, dass sie da sind. Eben da, um es mal, mit Verlaub, uroborisch auszudrücken, wo die Schlange sich in den Schwanz beißt. Trefflicher Ort!

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